Aus Zuchtfarmen entkommene Lachse gefährden Wildlachsbestände im Nordatlantik. Da sich die Farmfische mit ihren wildlebenden Verwandten vermischen, sinkt die Überlebensfähigkeit von bereits bedrohten Beständen. Das berichten Wissenschaftler in der Zeitschrift Proceedings of the Royal Society B (Online-Vorabveröffentlichung).
Die Biologen um Philip McGinnity vom Meeresinstitut in Newport untersuchten über zwei Generationen hinweg Entwicklung und Verhalten von Zuchtlachsen, der Wildform und Kreuzungen zwischen beiden. Die Nachkommen der Farmlachse und die durch Kreuzung mit Wildlachsen entstandenen Fische hatten zwar eine geringere Überlebenschance als die Wildform, wuchsen als Jungtiere jedoch schneller und waren aggressiver. Sie verdrängten deshalb die Wildlachse, die im Durchschnitt deutlich kleiner waren.
Die Nachkommen der Zuchtlachse ziehen außerdem häufig nicht nach einem Winter im Meer zum Laichen zurück in die Flüsse, sondern erst nach zwei Wintern. Was Angler freut, weil die Fische dann größer sind, ist für den Bestand selbst eine Bedrohung: Da die Nachkommen der Farmlachse früher sterben, haben sie weniger Nachwuchs.
Die Lachse auf den Farmen stammen zumeist nur von wenigen Tieren ab. Ihre Genvielfalt ist deshalb geringer als bei Wildlachsen, und durch Selektion auf den Farmen sinkt sie zusätzlich. Eine geringere Genvielfalt führt zu weniger Unterschieden im Erscheinungsbild der einzelnen Tiere. Sie können sich dann schwerer an geänderte Umweltbedingungen anpassen.
Ob das Überleben eines Wildlachsbestands durch die Vermischung mit entkommenen Zuchtlachse bedroht ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. In einem Bestand, der nur minimal wächst, kann jedoch bereits eine kleine Verringerung der Überlebensfähigkeit ausreichen, die Population schrumpfen zu lassen. Jährlich entkommen etwa zwei Millionen Lachse von Farmen im Nordatlantik. Dies entspricht etwa fünfzig Prozent des Bestands an Wildlachs in dieser Region.
ddp/bdw ? Katharina Vogelmann





