Viele Tiere sind nachtaktiv und haben erstaunliche Anpassungen entwickelt, um in der Dunkelheit zu überleben. Eulen jagen lautlos und können Beutetiere dank ihrer feinen Ohren dreidimensional orten, während Fledermäuse mit Hilfe von Echoortung durch die Dunkelheit navigieren. Auch Kleinsäuger wie Mäuse und Ratten sind in der Nacht besonders aktiv. Für sie ist die Dunkelheit kein Gruselmoment, sondern Lebensraum.
Die lautlosen Jäger
Eulen sind perfekte Beispiele für nächtliche Anpassungen. Ihre Augen reflektieren Mondlicht und ermöglichen ihnen gute Sicht selbst in der Dunkelheit. Die Federanordnung der Eulenflügel dämpft das Fluggeräusch auf unter zwei Kilohertz – kaum hörbar für Menschen und Beutetiere. Gleichzeitig können Eulen Geräusche dreidimensional orten, erkennen also nicht nur die Richtung, sondern auch die Höhe eines Lautes. So finden sie Mäuse und Ratten selbst in völliger Dunkelheit. Jetzt im Herbst vernachlässigen manche Arten allerdings ihre sonst so lautlose Jagd, um bei der Balz durch Rufe auf sich aufmerksam zu machen. Besonders auffällig ist der Waldkauz: Sein melancholisches „Huh-huhuhuhuuu“ hallt durch die Wälder und kann Spaziergängern einen Schauer über den Rücken jagen. Obwohl er dadurch den Ruf eines Todesboten erhalten hat, ist er in Wahrheit ein faszinierender Jäger mit fein abgestimmten Sinnen.
Auch die Beutetiere der Eulen zeigen erstaunliche Strategien: Eine aktuelle Studie am Lüneburger Kalkberg dokumentiert, dass Ratten in der Nacht Fledermäuse erbeuten. „Die Ratten lauern zwischen Felsspalten vor den Ein- und Ausflugsschneisen der Fledermäuse und greifen blitzschnell zu, sobald eine Fledermaus die Öffnung passiert“, berichtet Julia-Marie Battermann von der Deutschen Wildtier Stiftung. Unsere heimischen Fledermäuse sind dagegen Insektenjäger und völlig friedlich – ihr Halloween-Ruf als blutrünstige Nachtwesen ist also falsch. In den kommenden Wochen ziehen sie sich für den Winterschlaf in kühle Nischen und Höhlen zurück.
Friedhöfe als Refugium
Doch uns gruselt nicht nur die Dunkelheit, in der nachtaktive Tiere sich herumtreiben, sondern auch viele der Orte, an denen sie ihre Zeit verbringen. Scheinbar schaurige Plätze wie Gewölbe von Kapellen und Kirchen sowie Friedhöfe bieten den nachtaktiven Tieren Schutz, Ruhe und Nahrungsquellen. Selbst mitten in der Stadt sind die Friedhöfe nachts in der Regel menschenleer und werden so gerade für nachtaktive Stadttiere zu einem wertvollen Refugium. Auf Friedhöfen finden Eulen zudem oft noch alte Bäume mit Höhlen zum Brüten und Verstecken. Spinnen ziehen sich an laubbedeckte, frostfreie Bereiche zwischen den Grabsteinen zurück.
Für Menschen mag ein Friedhof ein Ort der Gänsehaut sein, doch für Wildtiere ist er ein ganzjährig wichtiger Rückzugsort. „Wer Wildtieren etwas Gutes tun möchte, bepflanzt Gräber naturnah“, rät Battermann. Heimische Pflanzen wie Efeu, Storchschnabel, Thymian oder Fetthenne sind robust, locken Insekten an und bieten Nahrung für nachtaktive Tiere – nicht nur an Halloween.
Quelle: Deutsche Wildtier Stiftung





