Eine Spritze – vollständiger Schutz
Rafael Larocca von der Harvard Medical School und seine Kollegen haben zwei andere Ansätze gewählt: Mit dem einen erzeugten sie einen Impfstoffkandidaten, der komplette, aber deaktivierte Zika-Viren eines Stammes aus Nordostbrasilien enthält. Ähnlich wie bei anderen klassischen Schutzimpfungen mobilisiert der Kontakt mit diesen toten Viren die Immunabwehr, ohne dass das Risiko für eine Infektion und Erkrankung besteht. Beim zweiten Impfstoffkandidaten handelt es sich um eine DNA-Vakzine. Dafür isolierten die Wissenschaftler die Virengene, die für die Produktion der Virenhülle und der Membran verantwortlich sind und bauten sie in Plasmide ein. Diese ringförmige DNA wird von den Zellen des Geimpften aufgenommen und ausgelesen, wodurch Proteine der Virenhülle und Membran entstehen. Sie dienen dann dem Immunsystem als Antigen, anhand dessen es künftig eindringende Zika-Viren erkennen und effektiv bekämpfen kann.
In Versuchen mit drei verschiedenen Mäusestämmen haben Larocca und seine Kollegen diese beiden Impfstoffe nun getestet. Dafür spritzten sie den Tieren eine Dosis der jeweiligen Vakzine intramuskulär und infizierten sie vier Wochen später mit dem Zika-Virus. Das Ergebnis: Bei keinem der geimpften Tiere konnte sich die Viren vermehren oder Krankheitssymptome hervorrufen, wie die Forscher berichten. Ein weiteres Indiz für die Wirksamkeit der Immunisierung war ein deutlicher Anstieg von zikaspezifischen Antikörpern im Blut der Tiere wenige Tage nach der Schutzimpfung. “Unsere Daten demonstrieren, dass schon eine einzige Immunisierung mit einer DNA-Vakzine oder einem abgetöteten Erreger bei Mäusen einen vollständigen Schutz gegen das Zika-Virus bietet”, konstatieren Larocca und seine Kollegen. “Das zeigt, dass ein Schutz gegen das Zika-Virus erzielt werden kann.”
Nach Ansicht der Wissenschaftler spricht vieles dafür, dass diese Impfstoffe auch bei Menschen funktionieren könnte, auch wenn von der Maus zum Menschen noch einiges an Tests nötig ist. “Es ist schwer, die Ergebnisse der Impfstoffstudien bei Mäusen direkt auf eine potenzielle Effizienz beim Menschen hochzurechnen”, betonen sie. “Aber der in unserer Studie beobachtete robuste Schutz und das klare Immunkorrelat der Schutzwirkung deuten auf einen Pfad hin zu einem Zika-Impfstoff beim Menschen.” Dafür spricht auch, dass die biotechnischen Verfahren und Plattformen dieser Impfstoffkandidaten bereits etabliert sind: Sie wurden in vergleichbaren Dosierungen schon eingesetzt, um Impfstoffe gegen andere Flaviviren wie das Westnil-Virus, Dengue-Viren oder von Zecken übertragenen Enzephalitis-Viren zu produzieren. “Zusammengenommen liefern unsere Ergebnisse Grund für substanziellen Optimismus dahingehend, dass die Entwicklung eines sicheren und effektiven Zika-Impfstoffs für den Menschen machbar ist”, schließen Larocca und seine Kollegen.





