Augenzeugen sind keine objektiven Beobachter eines Verbrechens: Bestätigen Polizisten ihre Angaben, halten die Zeugen ihren Bericht selbst für fundierter als zuvor. Sie glauben dann zunehmend, das Gesicht des Täters genau ausgemacht oder den Tathergang präzise mitverfolgt zu haben. Diese Verfälschung der Erinnerung gebe es selbst dann, wenn die Beamten eine solche Rückmeldung erst zwei Tage nach der Zeugenaussage geben, schreiben amerikanische Psychologen im Fachmagazin “Journal of Experimental Psychology”. Bislang hielten Psychologen nur ein direktes Feedback für problematisch, weshalb etwa im amerikanischen Rechtssystem ein Feedback bereits Stunden nach Zeugenaussage erlaubt ist.
Die Psychologen um Gary Wells von der Staatsuniversität Iowa hatten 253 Studienteilnehmern Verbrechervideos vorgespielt. In einer Gegenüberstellung sollten die Probanden anschließend den Täter aus einer Gruppe, in der der Täter fehlte, identifizieren. Nach zwei Tagen bestätigten die Forscher entweder die Aussage, bezeichneten sie als falsch oder gaben ein neutrales Feedback.
Das Resultat: In einer späteren Befragung waren sich jene Studienteilnehmer, die eine Bestätigung erhalten hatten, ihrer Aussage plötzlich äußerst sicher. Dabei hatten sie nicht bemerkt, wie sich ihre Einschätzung der eigenen Zeugenaussage verändert hatte, fanden die Forscher. Ablehnende und negative Feedbacks dagegen verfälschten das Gedächtnis der Zeugen nicht.
Die Einschätzung eines Zeugen seiner eigenen Aussage sei vor Gericht äußerst wichtig, sagt Wells. Bei Gegenüberstellungen sollten deshalb alle Beamten, die mit den Zeugen Kontakt haben, den Verdächtigen nicht kennen, empfehlen die Forscher.
ddp/bdw ? Marcel Falk





