Feder und Zecke in einem Bernstein
Den ersten echten Beweis haben nun jedoch Forscher um Enrique Peñalver vom Institut für Geologie und Mineralien Spaniens (IGME) in Madrid gefunden. In einem 99 Millionen Jahre alten Stück burmesischen Bernsteins entdeckten sie eine Schildzecke, die mit einem ihrer Beine an eine fossile Feder geklammert war. An dem knapp zwei Zentimeter langen Federstück ist der Federschaft mit den anhängenden Federhärchen gut zu erkennen. Wie die Forscher erklären, sprechen die häkchenbesetzten Federhärchen und die Asymmetrie der Feder dafür, dass sie von einem gefiederten Dinosaurier stammt. Wahrscheinlich gehört dieser zu den Theropoden, einer Gruppe, die sowohl flugunfähige gefiederte Raubsaurier umfasste als auch vogelähnliche Dinosaurier, die schon fliegen konnten.
“Wir können daher zwar nicht genau sagen, welche Art von Dinosauriern diese Zecke als Wirt nutzte, aber das Alter des Bernsteins bestätigt uns, dass diese Feder nicht zu einem modernen Vogel gehörte”, sagt Co-Autor Ricardo Pérez-de la Fuente von der Oxford University. Er und seine Kollegen sehen in diesem Fund einen ersten direkten Beleg dafür, dass urzeitliche Zecken bereits das Blut von Dinosauriern saugten. Die Forscher ordnen die fossile Zecke der Art Cornupalpatum burmanicum zu, einer ausgestorbenen Vorform unserer heutigen Schildzecken, von der zuvor erst zwei Larven bekannt waren. Aus der Position von Feder und Zecken im Bernstein schließen sie, dass der Blutsauger mit samt der Feder von seinem Wirtstier heruntergefallen sein muss.
Nestbewohnende Parasiten
In weiteren Bernsteinstücken aus der gleichen Zeit haben die Paläontologen jedoch noch drei weitere Zecken entdeckt – und diese liefern zusätzliche indirekte Belege für eine enge Verbindung mit den Dinosauriern. Alle drei gehören zu einer zuvor unbekannten Zeckenart, die die Forscher Deinocroton draculi – “Draculas Schreckenszecke” getauft haben. Das Spannende daran: Zwei dieser Zecken wurden gemeinsam mit den Borsten eines Käfers im Baumharz eingeschlossen, dessen Nachfahren häufig in Vogelnestern leben. Dort ernähren sie sich von Federn, Hautschuppen und anderen organischen Resten, die von den Nestbewohnern abfallen. “Das ungewöhnliche Auftreten von gleich zwei verschiedenen Ektoparasiten in einem Bernsteinstück lässt sich am ehesten dadurch erklären, dass auch diese Zeckenart in den Nestern ihrer Wirte lebte”, sagen die Forscher. Es liege daher nahe, dass auch diese kreidezeitliche Zeckenart das Blut von gefiederten Dinosauriern gesaugt habe.
Eine der Deinocroton-Zecken wurde damals sogar auf frischer Tat ertappt: Das urzeitliche Baumharz hat sie unmittelbar nach ihrer letzten Blutmahlzeit in vollgesogenem Zustand eingeschlossen und konserviert. Durch das Blut war der Hinterleib der Zecke bis auf die achtfache Größe angeschwollen. “Leider ist es nicht möglich, die Zusammensetzung des Blutes im Inneren dieser Zecke genauer zu bestimmen”, erklärt Koautor Xavier Declos von der Universität von Barcelona. “Denn die Zecke war nicht vollständig vom Bernstein umschlossen, dadurch wurde ihr Darminhalt durch Mineralienablagerungen verändert.” Ob es sich bei der letzten Blutmahlzeit dieser Zecke tatsächlich um Dinosaurierblut gehandelt hat, bleibt daher offen. Dennoch halten es die Forscher angesichts der restlichen Funde für sehr wahrscheinlich, dass diese Zecke einst an einem gefiederten Dinosaurier parasitiert hat.





