Es wird gesungen, gekrächzt, gezwitschert und gepiept: Es ist nicht zu überhören, dass viele Vogelarten teilweise komplexe Systeme der Lautkommunikation entwickelt haben. Viele Studien haben sich bereits mit den zahlreichen Aspekten dieses Themas beschäftigt. Klar scheint, dass viele Arten auch ein ausgeprägtes akustisches Lernvermögen besitzen. Sie können beispielsweise die Bedeutung der Alarmrufe anderer Tierarten erlernen, oder sogar die fremden Laute nachahmen. Auch die Fähigkeit zur Erkennung bestimmter Individuen wurde bereits dokumentiert: Einige Vögel können ihre Partner oder ihre Eltern anhand bestimmter Klangmerkmale von anderen unterscheiden. Diese Beobachtungen basieren bereits teilweise auf Untersuchungen an Zebrafinken (Taeniopygia guttata), denn es handelt sich bei diesen leicht zu haltenden Singvögeln um typische gefiederte Versuchstiere der Verhaltensforschung.
Man kennt sich
In ihrer australischen Heimat leben die Zebrafinken in Gruppen, die häufig über 50 Tiere umfassen und einen recht festen Zusammenhalt untereinander pflegen. Die Wissenschaftler um Frederic Theunissen von University of California in Berkeley haben sich deshalb gefragt, inwieweit die Fähigkeit dieser Vögel zur individuellen Stimmerkennung über ihre engsten Partner hinausgeht. Klar ist: Die Vögel sind recht geschwätzig: Sie geben sowohl Kontaktrufe als auch eine Art Gezwitscher von sich. “Diese Vögel besitzen, was wir eine Fusions-Spaltungsgesellschaft nennen”, sagte Theunissen. „Die Tiere trennen sich immer mal und kommen dann wieder mit ihren Bekannten zusammen“. Möglicherweise vermitteln die charakteristischen Lautäußerungen der Tiere demnach entfernten Gruppenmitgliedern: „Komm zu uns, wir sind hier!“, erklärt der Wissenschaftler.
Um die stimmlichen Merkfähigkeiten von Zebrafinken auszuloten, trainierten die Forscher 19 Versuchstiere, mit dem Schnabel „bedacht“ eine Play-Taste zu bedienen, die das Abspielen von unterschiedlichen Zwitscher-Aufnahmen auslöst. Wenn ein bekannter Vogel ertönte, sollten sich die Tiere die ganze Datei anhören – anschließend bekamen sie dann eine Belohnung. War hingegen ein unbekanntes Gezwitscher zu hören, sollten sie die Taste erneut bedienen, um zum nächsten Sound-Beispiel zu gelangen. Um eine Belohnung zu erhalten, mussten sich die Versuchstiere also durch die Datenbank klicken, bis sie auf eine bekannte Lautäußerung stießen. Dieses Prinzip begriffen die Vögel recht schnell und so konnten die Forscher immer mehr Sound-Beispiele hinzufügen. Um zu bestätigen, dass sich die Tiere an individuellen klanglichen Merkmalen orientierten und nicht nur an der Struktur der Aufnahmen, veränderten die Forscher zudem die Versionen der Aufnahmen der bekannten Vögel.





