Die Toxoplasmose ist eine ausgesprochen weitverbreitete Infektionskrankheit: Neben vielen Tierarten kann sich auch der Mensch mit dem einzelligen Parasiten Toxoplasma gondii infizieren. Überträger sind dabei meist Exkremente von Katzen, denn diese Tiere bilden die Endwirte des Erregers, in denen er seinen Entwicklungszyklus vollenden kann. In der Regel verläuft die Infektion allerdings harmlos und unbemerkt. Nur immunschwachen Personen kann sie gefährlich werden und bei Schwangeren ist Vorsicht geboten, denn die Infektion kann zu Schädigungen des Ungeborenen führen. Allerdings ist auch bekannt, dass sich der Erreger bei Mensch und Tier dauerhaft in bestimmten Körpergeweben festsetzen kann.
Parasiten mit erstaunlicher Macht
Das ist auch bei der Maus der Fall – einem wichtigen Zwischenwirt für die Toxoplasmen, über die sie in Katzen gelangen können. Bei den Nagern wurde dabei ein erstaunlich wirkender Effekt festgestellt: Der Erreger bewirkt durch bestimmte Mechanismen, dass Mäuse ihre natürliche Scheu vor Katzen verlieren. Die Parasiten machen den Zwischenwirt damit zu einer Art Marionette ihrer Fortpflanzung. Denn über die unvorsichtig gemachten Beutetiere gelangen die Toxoplasmen besonders effizient in ihren Endwirt. Aus früheren Untersuchungen geht bereits hervor, dass sich der verhaltensändernde Einfluss der Parasiten nicht nur auf die Maus beschränkt: Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen latenten Toxoplasmose-Infektionen und psychischen Auffälligkeiten beim Menschen. Außerdem hat eine Studie bei Hyänen bereits zeigt, dass sich infizierte Jungtiere risikofreudiger verhalten und deshalb eine höhere Sterberate aufweisen.
Um weitere mögliche Effekte auf wildlebende Tiere aufzudecken, hat ein US-Forscherteam nun sozial lebende Raubtiere ins Visier genommen: die Wölfe des Yellowstone-Nationalparks in Wyoming. Diese Population wird seit fast dreißig Jahren intensiv erforscht. Es wurden dabei umfangreiche Daten über den Gesundheitszustand, verschiedene Merkmale und das individuelle Verhalten vieler Tiere gesammelt. Dazu gehören auch Antikörpertests gegenüber Toxoplasma gondii, die bei einem positiven Resultat auf eine latente Infektion schließen lassen. Wie die Forscher berichten, waren von den rund 230 Wölfen im Fokus der Studie im Durchschnitt etwa 30 Prozent Toxoplasma-positiv.
Zunächst gingen sie dann der Frage nach, wie sich die Tiere diese Infektionen eingefangen haben. Als Ursprung kamen dabei vor allem die Pumas (Puma concolor) des Yellowstone-Nationalparks infrage, die als Endwirte für den Erreger fungieren. Die Untersuchung von 62 Exemplaren dieser Vertreter der Katzen ergab eine Infektionsrate von rund 50 Prozent. Durch Vergleiche der räumlichen Verteilung der Pumas im Park zeigte sich dann außerdem: Wölfe, die in Gebieten lebten, die sich mit einer höheren Pumadichte überschnitten, waren vergleichsweise besonders häufig mit T. gondii infiziert. Dies deutet darauf hin, dass die Großkatzen offenbar eine wichtige Quelle der Infektionen darstellen.





