„Saurer Regen“ war ein Phänomen der 1980er-Jahre: Durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe und durch Industrieabgase gelangten große Mengen Schwefel in die Atmosphäre und reagierten dort mit Wasser zu schwefelsäurehaltigen Tröpfchen, die die Böden und Gewässer versauerten. Nachdem Fabriken und Kraftwerke mit Rauchgasentschwefelungs-Anlagen nachgerüstet wurden, sanken die atmosphärischen Schwefeleinträge – in Deutschland sogar um 90 Prozent. Doch trotzdem ist die Schwefelbelastung durch Sulfat in Binnengewässern die Konzentrationen nahezu unverändert hoch – in einigen Regionen stieg sie sogar.
Woher kommt das Sulfat?
Woher das heute gemessene Sulfat kommt, haben Forschenden um Dominik Zak von der dänischen Universität Aarhus nun in einer Überblicksstudie zusammengetragen. Dafür werteten sie weltweite Daten zu aktuellen Schwefelquellen aus über 300 Studien aus und erstellten daraus eine Gesamtübersicht. Im Anschluss formulierte das Forscherteam zudem die weltweiten, negativen Folgen des Sulfats etwa auf die Nährstoffkreisläufe, die Ökosysteme und die Trinkwassergewinnung. Zwar ist bekannt, dass durch die Verwitterung von Mineralien, beim Vulkanismus oder beim Abbau von organischem Material natürlicherweise gelöstes Sulfat in Binnengewässern entsteht. Doch die Ergebnisse der Forscher legen nahe, dass bis heute vor allem menschliche Einflüsse beim Anstieg der Sulfatkonzentrationen im Wasser eine Rolle spielen.
Wie die Wissenschaftler erklären, tragen insbesondere die Düngerauswaschungen aus Feldern und Äckern sowie Abwässer aus der Landwirtschaft dazu bei: Weltweit macht der landwirtschaftliche Einsatz von schwefelhaltigen Düngemitteln rund 50 Prozent des jährlich in die Umwelt eingetragenen Schwefels aus. So gelangt in einigen Regionen der Welt heute mehr Schwefel in Böden und Gewässer als zum Höhepunkt des sauren Regens, wie Zak und sein Team berichten. Aber auch die Industrie emittiere weltweit weiterhin erhebliche Mengen an Schwefel. So zum Beispiel für die Produktion von Speiseöl, Kartoffelstärke und Papier sowie unter anderem durch Gerbereien, Textilfabriken und deren Abwässer.
Die Folgen des Klimawandels verstärken nach Angaben des Forscherteams ebenfalls die Sulfatbelastung. Denn der zunehmende Starkregen spült vermehrt schwefelhaltige Böden und Dünger in Gewässer und zudem fallen immer mehr Feuchtgebiete trocken. „Und durch den steigenden Meeresspiegel gelangt sulfatreiches Salzwasser ins Grundwasser und in Flüsse, wo es die Sulfatkonzentrationen erheblich erhöhen kann“, ergänzt Zak. Hinzu kommt, dass durch die Entwässerung von Mooren Schwefel und schwefelhaltige Eisenverbindungen freigesetzt werden.





