Einen Schritt weiter gehen nun Daniel Moran von der Norwegischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Trondheim und Keiichiro Kanemoto von der Shiinshu Universität in Japan. Sie haben anhand von knapp 7000 bedrohten und gefährdeten Tierarten im Meer und an Land ermittelt, welche Lebensräume und Hotspots der Artenvielfalt durch den Konsumhunger der verschiedenen Industrieländer besonders betroffen sind. Für ihre Studie ermittelten die Forscher, wie viel Prozent der Gefährdung einer Tierart in einem bestimmten Habitat auf den Handel mit einem anderen Land zurückgehen. “Mit diesen Daten können wir fragen, welche Länder und welche Konsumkategorien Habitate in verschiedenen Hotspots bedrohen”, erklären Moran und Kanemoto. Aus den Daten erzeugten die Wissenschaftler Karten, die den Gefährdungs-Fußabdruck eines bestimmten Landes in Gebieten im Rest der Welt anzeigen.
Gefährdungs-Hotspots in Südostasien und Afrika
Es zeigt sich: Vor allem die USA, die EU und Japan hinterlassen in vielen Regionen den größten Gefährdungs-Fußabdruck. Bei den marinen Tierarten sorgt der Bedarf der EU und der USA an Fisch und Meeresfrüchten, aber auch an industriell hergestellten Gütern in Südostasien für eine besonders starke Bedrohung heimischer Arten. Die dortige Produktion für den Export bringt eine Überfischung und die Verschmutzung des Meeres durch Aquakulturen und Schadstoffe mit sich, wie die Forscher berichten. Besonders stark wirkt sich der Konsumhunger der EU zusätzlich in den Meeresgebieten um Madagaskar, Mauritius und den Seychellen aus. Für die USA werden auch artenreiche Meeresgebiete in der Karibik und an der Mündung des Orinoco gefährdet.
An Land macht sich der Konsumhunger der EU vor allem in Afrika bemerkbar: “Der EU-Konsum treibt Gefährdungs-Hotspots in Marokko, am Horn von Afrika von Libyen bis Kamerun, in Madagaskar, Zimbabwe und am Malawi- und Victoriasee”, berichten Moran und Kanemoto. Auch in der Türkei und in Zentralasien gibt es Lebensräume, die speziell durch den Anbau und die Produktion von Exportgütern stark geschädigt sind. Die USA verursachen dagegen indirekte Bedrohungen der Artenvielfalt vor allem in Südostasien und Südamerika, aber auch im Süden Europas und in der Sahelzone. “Der große Einfluss des US-Konsums auf die Artenvielfalt und vor allem Vögel und Fischarten in Spanien und Portugal ist bemerkenswert”, sagen die Wissenschaftler. “Denn diese Länder werden meist nicht gerade als Hotspots für die Gefährdung der Artenvielfalt angesehen.” Doch Olivenöl aus diesen Länder wird auch in die USA exportiert – und für die Bewässerung der Olivenbäume wurden Staudämme errichtet, die lokale Lebensräume veränderten und zerstörten. Der dritte große Fußabdruck der Gefährdung stammt von Japan. Er konzentriert sich in Südostasien und auf einigen Südseeinseln und geht vor allem auf den Anbau von Tee, Kokosnüssen und Palmöl zurück, aber auch der Abbau von Gold auf Papua Neuguinea gefährdet dort Tierarten.





