Kanadaluchse sind trotz ihres Namens nicht nur in Kanada verbreitet, sondern auch in Teilen der USA, vor allem in Colorado in den südlichen Rocky Mountains. Nachdem der Kanadaluchs dort Mitte der 1970er Jahre als ausgestorben galt, siedelte die staatliche Behörde Colorado Parks and Wildlife ab 1999 wieder Luchse in dem Gebiet an. Zurzeit leben etwa 75 bis 100 Kanadaluchse in dem US-Bundesstaat. Der Lebensraum der Kanadaluchse in den USA wurde zuletzt im Jahr 2000 mit wenigen Daten kartiert.
Den Kanadaluchsen mit Trackern auf der Spur
Jetzt hat ein Forschungsteam um John Squires von der Rocky Mountain Research Station das südlichste Verbreitungsgebiet der Raubkatze in den USA erneut analysiert und mögliche Bedrohungen ermittelt. Dieses erstreckt sich über Colorado, den Süden Wyomings und den Norden New Mexicos. Um die Verbreitung des Luchses zu analysieren, fingen die Forschenden mit Fallen 18 Kanadaluchse ein und befestigten GPS-Trackinghalsbänder an ihnen. Vier Jahre lang zeichneten sie damit die Bewegungen der Luchse auf. Zusätzlich sammelte das Forschungsteam Daten zu 18 verschiedenen Umweltfaktoren wie Klima, Topografie, Vegetation und menschliche Einflüsse. Dazu zählten zum Beispiel Angaben über die Durchschnittstemperatur im betrachteten Gebiet, die Steigung oder die Straßendichte.
Mit Hilfe der GPS-Daten und der Umweltinformationen entwickelten die Forschenden ein Modell, das vorhersagt, wo Kanadaluchse am wahrscheinlichsten leben. Anschließend analysierten sie, wie sehr die wahrscheinlichen Verbreitungsgebiete durch Störungen wie beispielsweise Insektenplagen, Waldbrände oder Urbanisierung und Skigebiete beeinflusst werden. Etwa ein Drittel dieser Verbreitungsgebiete ist von solchen Störungen betroffen, vor allem von Waldinsektenplagen.
„Wir wissen, dass Luchse auch dann noch in den Wäldern leben, wenn der Fichtenborkenkäfer die obere Baumschicht kahl frisst. In Wäldern, die vom Fichtenborkenkäfer befallen sind, gibt es immer noch genügend junge Nadelbäume im Unterholz, die den Luchsen als Lebensraum dienen können“, erklärt Squires. „Außerdem überleben einige Baumarten wie die subalpine Tanne häufig den Befall durch Fichtenborkenkäfer. Das bedeutet, dass Waldinsekten eine geringere Bedrohung für Luchse darstellen als großflächige, heftige Waldbrände.“
Waldbrände als Bedrohung
Das Ergebnis: Mit 62 Prozent am häufigsten leben Kanadaluchse in zum Schutz ausgewiesenen Gebieten der südlichen Rocky Mountains. Gebiete, die von Waldbränden betroffen sind, vermeiden die Kanadaluchse allerdings. Erst wenn das Unterholz in diesen zerstörten Wäldern nachgewachsen ist, siedeln sich die Tiere erneut dort an, wie die Forschenden herausfanden. Das kann bis zu 50 Jahre dauern. „Obwohl zwischen 1990 und 2022 nur fünf Prozent des wahrscheinlichen Luchslebensraumes in diesem Gebiet durch Brände zerstört wurden, gehen wir davon aus, dass häufige und schwere Brände das Hauptrisiko für Luchse in Hochlagenwäldern darstellen“, erläutert Squires. Solche Waldbrände werden mit dem Klimawandel wahrscheinlicher.





