Männer brauchen in unbekanntem Gelände andere Hilfsmittel zur Orientierung als Frauen. Während Männer am schnellsten mit geometrischen Beschreibungen den Weg finden, helfen Frauen vor allem Hinweise auf typische Merkmale aus der Umgebung weiter, berichtet die Psychologin Deborah Saucier von der kanadischen Universität Saskatchewan im Magazin Behavioral Neuroscience (Bd. 116, S. 403).
Die Forscherin und ihr Team gaben achtzig Studenten Anweisungen, mit denen sie möglichst schnell ein Ziel in einem unbekannten Universitäts-Areal finden sollten. Die Anweisungen waren entweder in einer geometrischen Sprache gehalten wie “Gehe 100 Meter geradeaus, wende dich dann links, …” oder nutzten konkrete Hinweise aus der Umgebung: “Gehe zunächst den breiten Weg entlang. Wenn du dann eine Bäckerei siehst, biege links ab, …”.
In der Studie fanden am schnellsten Männer ihr Ziel, die eine geometrische Wegbeschreibung erhalten hatten. Ebenfalls zügig ins Ziel kamen Frauen, die konkrete Hinweise zur Hand hatten. Erhielten dagegen Männer die gleichen konkreten Beschreibungen, waren sie deutlich langsamer als die Frauen. Am schlechtesten schnitten jedoch Frauen ab, die sich mit einer geometrischen Beschreibung zurechtfinden sollten.
Dass Frauen sich generell in einem unbekannten Areal schlechter orientieren können, stimmt demnach nicht, schreibt Saucier. Für Frauen und Männer sind jedoch andere Strategien zur Zielfindung sinnvoll. Der Unterschied ist nach Meinung der Forscherin indes nicht erlernt, sondern angeboren, wobei ein entscheidender Faktor offenbar die Konzentration des männlichen Sexualhormons Testosteron ist: Frühere Studien hatten zumindest ergeben, dass Frauen mit mehr Testosteron im Blut mit geometrischen Wegbeschreibungen besser zurechtkommen.
Andreas Wawrzinek





