Die Weltgesundheitsorganisation schätzt, dass zehn Prozent des weltweiten pharmazeutischen Handels mit gefälschten Medikamenten betrieben wird. Jetzt fordern Wissenschaftler eindringlich im “British Medical Journal” vom 5. April 2002 endlich auf internationaler Ebene gegen das gefährliche Geschäft vorzugehen.
Beispiele für gefälschte Medikamente nennen die Autoren um Paul Newton von der Universität Oxford viele: Augentropfen aus Leitungswasser, Paracetamol aus Lösungsmitteln, Antibaby-Pillen aus Mehl und unwirksame Antibiotika und Medikamente gegen Malaria.
Einige der Fälschungen sind jedoch nicht nur wirkungslos im Kampf gegen eine Krankheit. Sie enthalten oft auch gesundheitsschädliche Inhaltsstoffe. Besonders in Entwicklungsländern ist durch den Handel mit den Fälschungen die Anzahl der Todes- und Krankheitsfälle erheblich gestiegen, betonen die Autoren in ihrem Artikel.
Für den Handel mit Medikamenten wurden weltweit Richtlinien zwar bereits aufgestellt. Den meisten Entwicklungsländern fehlen jedoch die Infrastruktur und das Geld, die Regeln in die Tat umzusetzen, schreiben die Autoren weiter.
In der Vergangenheit hätten Pharmafirmen bereits versucht, das Problem aus der Befürchtung, die Öffentlichkeit könnte ihr Vertrauen in die Medizin verlieren, herunter zu spielen, so die Forscher. Es gebe zudem Regierungen, die sich des illegalen Handels sehr wohl bewusst sind, sich aber entschieden haben, ihn zu ignorieren.
Die Hauptschuld an dem illegalen Handel mit gefälschten Medikamenten geben die Autoren dem organisierten Verbrechen, der Korruption, dem Drogenhandel, unkontrolliert arbeitenden Pharmafirmen und den Geschäftsinteressen von skrupellosen Politikern. Der Handel mit gefälschten Medikamenten kann nur erfolgreich bekämpft werden, wenn international bei Politikern der Wille entsteht, das Problem aus der Welt zu schaffen, sagen die Forscher.
Nicole Waschke





