Korallenriffe, die wegen ihrer enormen Artenvielfalt auch als “Regenwälder der Meere” bezeichnet werden, sind durch Überfischung, Schiffsverkehr, Umweltverschmutzung, die globale Klimaerwärmung und den zunehmenden Tourismus gefährdet. Weltweit ist Schätzungen zufolge bereits mehr als ein Viertel aller Korallenriffe unwiederbringlich verloren. Bis zum Jahr 2010 könnten es 40 Prozent sein.
Einen weiteren, wesentlichen Faktor dieses Niederganges repräsentiert die Dornenkrone – ein räuberischer Seestern aus der Gruppe der Stachelhäuter (Echinodermata). In den 60er Jahren wurde erstmals beobachtet, dass riesige Herden von bis zu einigen Millionen Individuen Riffe befallen und die Korallen abweiden. Heute weiß man, dass ein solcher Befall etwa 2 bis 5 Jahre andauern kann. Ein einziges Individuum verwüstet pro Jahr 5 bis 6 Quadratmeter Korallenriff.
Bezieht man diesen Wert auf Tausende oder sogar Millionen von Tieren, wird das ganze Ausmaß der Gefahr für die Riffe deutlich. In den Jahren 1968 und 1969 hat eine Invasion der Dornenkrone in der Nähe von Guam 90 Prozent der dortigen Korallenriffe vernichtet. Zahlreiche Riffe im Indischen und Pazifischen Ozean sind bereits nachhaltig geschädigt.
Die Auseinandersetzung mit den Schädlingen gestaltet sich bis heute jedoch außerordentlich schwierig. Japan hat sich diesem Kampf gegen die Stachelhäuter in besonderem Maße verschrieben. So wurden um die Insel Ryukyu bereits 13 000 000 Tiere abgesammelt – eine Aktion, die 3,3 Millionen US Dollar kostete.
Auch andere Methoden sind denkbar, jedoch nicht unproblematisch. So würde beispielsweise der Einsatz von Giftstoffen auch andere Organismen gefährden; das Errichten von Unterwasserzäunen dagegen wäre wirksam, doch sind die damit verbundenen Kosten nicht zu verkraften. Die Situation mit biologischen Mitteln in den Griff zu bekommen, ist ebenfalls nicht ungefährlich, dies weiß Peter Morton vom Australian Institute of Marine Sciences nach Erfahrungen aus dem Great Barrier Reef zu berichten. So ist es nicht selten, dass durch das gezielte Einbringen von Krankheitserregern oder Fressfeinden (wie etwa der Großen Triton-Schnecke) am Ende viel größere Probleme für das Ökosystem entstehen, als die, welcher man Herr werden wollte.
Japanische Wissenschaftler haben jetzt eine chemische Substanz gefunden, die eine wirksame Waffe gegen die gefürchteten Tiere sein könnte. Daisuke Uemura, Chemieprofessor an der Universität von Nagoya, und seinem Team gelang es, ungesättigte Fettsäuren aus Seeigeln (einer weiteren potentiellen Nahrungsquelle der Seesterne) zu gewinnen, die auf die Dornenkrone anscheinend wie Lockmittel wirken. Mit Hilfe dieser Substanz, so die Hoffnung der Experten, könnte man die Räuber in aufgestellte Fallen locken, die dann nur noch von Zeit zu Zeit eingesammelt werden müßten.
Noch befindet sich diese Prozedur im Versuchsstadium. Doch könnte die von den japanischen Wissenschaftlern gefundene Substanz damit einen Ausweg aus dem Dilemma der Riffzerstörung durch die Dornenkrone darstellen. Doch selbst wenn die Methode des Weglockens funktioniert, so Uemura, könne man nicht alle Riffe auf der Welt, wohl aber eine ganze Reihe von ihnen künftig wirksamer schützen.
Die Ursachen des plötzlichen Massenauftretens der Dornenkrone sind unklar. Eine Theorie besagt, dass nach verheerenden Wirbelstürmen der viele Regen mehr Nährstoffe ins Meer spült, welche ein besonders starkes Planktonwachstum ermöglichen. Von Plankton ernährt sich aber wiederum der Seesternnachwuchs. Andere Theorien sehen in der Ausrottung natürlicher Fressfeinde oder in der zunehmenden Umweltbelastung mögliche Ursachen.
Olaf Elicki





