3D-Kino für Gottesanbeterinnen
Um diese Frage experimentell zu klären, “bastelten” die Forscher eine Art 3D-Kino für Gottesanbeterinnen – samt Zubehör. Für die Brillen nutzten sie das sogenannte Anaglyphen-Verfahren: Es handelt sich dabei um das altbewährte 3D-Konzept, bei dem die Bildtrennung durch die Verwendung von Farbfiltern erfolgt. Für die Wahrnehmung der Insekten waren die Farben blau und grün am geeignetsten, erklären die Forscher. Durch Bienenwachs befestigten sie die winzigen Farb-Linsen auf den Augen ihrer bizarren Versuchstiere. An einer Apparatur befestigt, platzierten sie diese dann vor einem Bildschirm, auf dem sich Farbkreise bewegten, die in Kombination mit der Brille einen 3D-Effekt hervorriefen.
Die Experimente zeigten: Nur wenn durch die Brillen ein 3D-Effekt entstand – die Kreise also gleichsam aus dem Bildschirm hervortraten – schnappen die Gottesanbeterinnen mit ihren Fangarmen nach den Ködern. Auf rein zweidimensionale Bewegungsreize reagierten sie hingegen nicht, berichten die Forscher. Dies belegt ihnen zufolge eindeutig, dass diese Insekten eine Fähigkeit zur räumlichen Wahrnehmung ihrer Umwelt besitzen.
Video: Erst wenn der Köder durch den 3D-Effekt aus dem Bildschirm hervortritt, schnappt die Gottesanbeterin zu. Credit: Newcastle University
Potenzial für die Technik
Die Ergebnisse sind nicht nur aus biologischer Sicht spannend, betonen die Wissenschaftler: “Trotz ihrer winzigen Gehirne besitzen Gottesanbeterinnen eine Hochleistungs-Wahrnehmung. Besseres Verständnis der effizienten visuellen Verarbeitungssysteme könnte sowohl die Evolution der 3D-Sicht erhellen, als auch zu neuen Verfahren bei der 3D-Tiefenwahrnehmung von technischen Systemen führen”, erklärt Read. Diesem Forschungsthema wollen sich die Forscher nun auch weiter widmen. Vielleicht verleihen also eines Tages die visuellen Verarbeitungskonzepte der Gottesanbeterin Computern oder Robotern eine raffiniert-simple 3D-Wahrnehmung.





