Pause statt Überlebenskampf: Wenn in bestimmten Jahreszeiten, Kälte, Hitze, Wassermangel oder andere lebensfeindliche Bedingungen herrschen, schalten viele Tierarten gleichsam ab, bis sich die Lage wieder bessert. Diesen Überdauerungszustand bezeichnet man wissenschaftlich als Torpor. Dabei werden alle Körperfunktionen auf Sparflamme gehalten, um Energie zu sparen. Eine besonders ausgeprägte Form des Torpor ist der Winterschlaf. “Tiere, die an oder in der Nähe der Pole leben, mussten schon immer mit den dort herrschenden extremeren Umweltbedingungen zurechtkommen”, sagt Megan Whitney von der Harvard University in Cambridge. “Unsere vorläufigen Ergebnisse legen nun nahe, dass das Eintreten in einen Winterschlaf-ähnlichen Zustand keine vergleichsweise neue Art der Anpassung ist – offenbar ist dieses Konzept schon sehr alt”, so die Wissenschaftlerin.
Frühe Antarktisbewohner im Visier
Der Hinweis stammt aus Untersuchungen, die Whitney und ihr Kollege Christian Sidor von der University of Washington in Seattle an Fossilen von Vertretern der Lystrosaurier durchgeführt haben. Es handelte sich dabei um meist schweinsgroße Pflanzenfresser, die als entfernte Vorfahren der Säugetiere gelten. Die unterschiedlichen Arten der Lystrosaurier waren vor rund 250 Millionen Jahren auf dem Superkontinent Pangea weit verbreitet. Unter anderem haben Paläontologen ihre Fossilien auch in der Antarktis entdeckt, die in der damaligen Warmzeit Lebensmöglichkeiten für diese Tiere bot. “Durch die Tatsache, dass die Lystrosaurier das Massenaussterben am Ende des Permzeitalters überlebt haben, und in der frühen Trias eine so große Verbreitung besaßen, avancierten sie zu einer besonders gut untersuchten Tiergruppe”, sagt Sidor.
Lystrosaurier waren stämmig gebaut und besaßen eine Art Schnabel sowie ein Paar Stoßzähne im Oberkiefer, die wahrscheinlich zur Nahrungssuche in der Bodenvegetation und zum Graben nach Wurzeln und Knollen dienten. Genau diese Hauer ermöglichten nun die Studie von Whitney und Sidor. Wie sie erklären, wuchsen die Lystrosaurus-Stoßzähne ähnlich wie bei den Elefanten während ihres gesamten Lebens kontinuierlich weiter. Die Querschnitte von versteinerten Stoßzähnen können somit lebensgeschichtliche Informationen über Stoffwechsel, Wachstum und Belastung liefern.
Im Rahmen der Studie haben Whitney und Sidor Querschnitte von Stoßzähnen von sechs antarktischen Lystrosauriern mit solchen von vier Vertretern aus Südafrika verglichen. Wie sie erklären, befanden sich die Fundorte der antarktischen Fossilien in der Trias bei etwa 72 Grad südlicher Breite – das bedeutet innerhalb des Breitenkreises, in dem auch in dieser Warmzeit starke jahreszeitliche Schwankungen der Umweltbedingungen auftraten. Die südafrikanischen Fundorte befanden sich damals hingegen weit außerhalb des Antarktischen Kreises in gemäßigten Zonen.





