Energieproduktion aus Windkraft ist ein wichtiges Standbein der deutschen Energiewende, um die Abhängigkeit von fossilen und nuklearen Energieträgern zu reduzieren und eine klimaneutrale Stromerzeugung zu erreichen. Um die Energieausbeute zu maximieren, kommen dabei immer häufiger große Windenergieanlagen mit besonders langen Rotorblättern zum Einsatz. Ein Dämpfer ist allerdings, dass viele seltene und geschützte Fledermäuse an Windenergieanlagen kollidieren – die Zahl wird auf 15 Fledermäuse pro Windturbine und pro Jahr geschätzt. Helfen kann hier das Abschalten der Windräder in Zeiten hoher Fledermausaktivität, denn das kann die Sterberate der Tiere um 80 Prozent senken, während die Betreiber der Windanlagen nur einen kleinen, monetären Verlust von 0,5 bis zwei Prozent machen würden.
Aber wann ist die Aktivität der Fledermäuse am größten und somit die richtige Zeit die Windkraftanlagen abzuschalten? Das wird derzeit mithilfe von Ultraschalldetektoren erfasst, die registrieren, zu welchen Zeiten und unter welchen Bedingungen, wie Umgebungstemperatur und Windstärke, die Fledermäuse in Reichweite der gefährlichen Rotorblätter kommen. Wie gut und verlässlich diese Messungen sind, haben nun Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) und seine Kollegen untersucht. In ihrer Studie ermittelten sie, welche Faktoren die Zahl der von den Detektoren registrierten Fledermäuse verfälschen können und wie stark. Dafür variierten sie in einer mathematischen Simulation sowohl die räumliche Verteilung der Fledermäuse als auch den Erfassungsbereich der Ultraschalldetektoren in der Risikozone der Rotorblätter.
Zuverlässigkeit abhängig von Ruf und Flugmuster der Fledermäuse
Die Ergebnisse der Modellierung zeigten, dass die Vorhersagen der Fledermausaktivität nur unter bestimmten Bedingungen zutreffend sind. Dies ist beispielsweise dann der Fall, wenn die Fledermäuse Risikozone in Reichweite der Rotorblätter gleichmäßig oft und dicht durchfliegen. Passieren die Fledermäuse jedoch einen Teil der Risikozone häufiger als einen anderen Teil, führt diese Unregelmäßigkeit dazu, dass die akustische Aktivität über- oder unterschätzt wird. Zu einer Unterschätzung der Fledermausaktivität kam es auch, wenn die Tiere eine besonders hochfrequente Echoortung nutzen, weil diese Rufe schlechter von den Messinstrumenten erfasst werden. Fledermausarten mit tieffrequenten Rufen erfassten die Ultraschalldetektoren hingegen ausreichend, da ihre Rufe über relativ weite Distanzen getragen werden.
Sowohl die Über- als auch die Unterschätzung der Fledermausaktivität ist aber problematisch: „Wird die akustische Aktivität der Fledermäuse unterschätzt, werden die Windkraftanlagen zu kurz und zu falschen Zeiten abgeschaltet und es kommen viele Fledermäuse zu Tode. Wird hingegen die akustische Aktivität überschätzt, sind die Abschaltungsvorschriften zu strikt und die Anlagen produzieren keine Energie, obgleich keine Fledermäuse in Gefahr sind“, erklärt Voigt.





