Sie stecken in beschichteten Bratpfannen, der Regenjacke oder Verpackungen: Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS). Die Chemikalien sind hitze- und wasserbeständig und deshalb in vielen Alltagsprodukten enthalten. Genau das macht sie aber auch zum Umweltproblem: In der Natur werden PFAS gar nicht oder nur sehr langsam abgebaut. Zudem besteht der Verdacht, dass sie der Gesundheit schaden. Über Luft und Wasser gelangen sie in die Umwelt und können sich in Pflanzen, Tieren und schließlich auch im menschlichen Körper anreichern. Die EU hat deshalb für bestimmte PFAS gesetzliche Höchstwerte in Lebensmitteln festgelegt.
Wie hoch ist die PFAS-Belastung von Wildschweinen in Deutschland?
Doch für Wildtiere gibt es keine solchen Schutzbestimmungen. Wildschweine nehmen PFAS-Schadstoffe beispielsweise beim Wühlen im Boden und über die Nahrung auf. Das bedeutet, dass auch das Fleisch dieser Wildtiere mit PFAS belastet sein könnte. Ein Forschungsteam um Marleen Brossmann von der Universität Bonn hat nun untersucht, wie hoch das Fleisch und die Leber von Wildschweinen in verschiedenen deutschen Bundesländern belastet ist und ob dabei EU-Grenzwerte überschritten werden. „Wildtiere reichern körperfremde Schadstoffe in ihrem Gewebe an und können daher als Bioindikatoren für Umweltverschmutzung dienen”, schreiben die Forschenden.
Das Forschungsteam wertete für ihre Studie 152 Fleisch- und 114 Leberproben von Wildschweinen aus verschiedenen Bundesländern aus. Dafür untersuchten sie die Proben auf vier besonders relevante PFAS-Verbindungen und verglichen die Messwerte mit den geltenden EU-Grenzwerten für Lebensmittel. Zusätzlich berechneten sie, welche gesundheitlichen Risiken beim Verzehr von PFAS-haltigem Wildschweinfleisch und -leber entstehen könnten. Dafür berücksichtigten sie Menschen, die nur gelegentlich Wild essen und Menschen, die regelmäßig Wildschweinfleisch verzehren, wie zum Beispiel Jäger.
PFAS-Belastung von Fleisch und Leber über den EU-Grenzwerten
Die Ergebnisse zeigen, dass die untersuchten Wildschweine deutlich mit PFAS belastet sind. In allen 114 Leberproben überschritten die PFAS-Konzentrationen die gesetzlich zulässigen Höchstwerte, wie Brossmann und ihre Kollegen ermittelten. Auch 19 der 152 Fleischproben waren zu stark belastet. Im Fleisch wiesen die Forschenden durchschnittlich 5,18 Mikrogramm PFAS pro Kilogramm nach, in der Leber sogar 448 Mikrogramm pro Kilogramm. Die Wildschweinlebern waren demnach um ein Vielfaches stärker belastet. Fleisch und Leber dieser Tierre dürfte nach den EU-Vorschriften nicht als Lebensmittel verkauft werden.
„Wenn selbst Wildtiere in Deutschland mit den Ewigkeitschemikalien belastet sind, zeigt das, wie großflächig PFAS inzwischen in unserer Umwelt verbreitet sind. Die PFAS-Belastung von Wildschweinen macht das Ausmaß der Umweltverschmutzung sichtbar“, sagt Olaf Bandt, Vorsitzender des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Besonders hohe PFAS-Konzentrationen fanden die Forschenden bei Wildschweinen aus dem Landkreis Altötting in Bayern. Dort sind PFAS durch die Industrie in die Umwelt gelangt. Doch auch außerhalb dieses bekannten Belastungsschwerpunkts wurden PFAS nachgewiesen, was für eine weit verbreitete Umweltbelastung spricht.
Wie gefährlich ist der Verzehr von Wildschweinfleisch?
Die PFAS-Belastung ist nicht nur ein Umweltproblem, sondern kann auch gesundheitliche Folgen haben. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit empfiehlt, langfristig nicht mehr als 4,4 Nanogramm der vier untersuchten PFAS pro Kilogramm Körpergewicht pro Woche aufzunehmen. Menschen, die nur gelegentlich Wildschweinfleisch essen, überschreiten diesen Wert in der Regel nicht, wie Brossmann und ihr Team erklären. Anders sieht es bei Menschen aus, die regelmäßig Wildschweinfleisch essen: Bei dem angenommenen hohen Verzehr würde die PFAS-Aufnahme bei rund 46 Prozent der Fleischproben den empfohlenen wöchentlichen Richtwert überschreiten. Teilweise gilt das sogar für das , das die gesetzlichen Höchstgehalte einhält.
Besonders kritisch ist der Verzehr von Wildschweinleber. Aufgrund der hohen PFAS-Konzentrationen raten die Forschenden grundsätzlich davon ab, diese zu essen.
„Mit jedem PFAS-Eintrag in die Umwelt hinterlassen wir zukünftigen Generationen ein zunehmendes Gesundheitsrisiko und gefährden unsere Ökosysteme. Wir fordern die Bundesregierung und die EU-Kommission auf, die weitere PFAS-Verschmutzung unverzüglich zu stoppen“, sagt Bandt. Ausnahmen soll es nur für unverzichtbare Anwendungen geben, für die bislang keine geeigneten Alternativen verfügbar sind.
Quelle: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Universität Bonn. Fachartikel: Environmental Sciences Europe, doi: 10.1186/s12302-026-01372-1





