Fluorhaltige Kohlenwasserstoffe wie die per-/polyfluorierten Alkylsubstanzen (PFAS) sind meist wasser- und fettabweisend und kommen in vielen Alltagsobjekten zum Einsatz, darunter Outdoorkleidung, Antihaftpfannen und anderen Beschichtungen. Weil sie chemisch sehr stabil sind, werden sie in der Natur kaum abgebaut und reichern sich daher in der Umwelt an. Inzwischen sind PFAS selbst in entlegenen Polargebieten, im Gewebe zahlreicher Tiere und auch in uns Menschen nachweisbar – mit potenziell negativen Folgen. Viele PFAS stehen im Verdacht, gesundheitsschädlich zu sein, einige sind nachgewiesenermaßen toxisch.
Wildschwein als Schadstoffschnüffler
Entsprechend wichtig ist es daher, die Belastung durch PFAS zu überwachen und herauszufinden, wo beispielsweise besonders hohe Konzentrationen dieser Schadstoffe vorliegen. Das Problem jedoch: Allein die von der Industrie eingesetzten PFAS umfassen mehr als 10.000 verschiedene Verbindungen. Sie alle in Einzelanalysen zu erfassen, ist extrem aufwendig und kaum machbar. Viele lokale Belastungs-Hotspots in Deutschland sind daher noch unentdeckt, weil der analytische Aufwand bei Bodenproben zu hoch ist. Deshalb haben Jana Rupp vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) in Leipzig und ihre Kollegen nun eine andere Methode der Überwachung entwickelt und erprobt: Sie nutzen Wildschweine als Bioindikatoren, um die PFAS-Belastung in einem Lebensraum oder an einem Standort zu ermitteln.
“Das Wildschwein ist weit verbreitet und wird überall gejagt. Über die Tierart kann man deswegen einen sehr guten Überblick bekommen, wo in Deutschland Hotspots der Verbreitung der PFAS sind”, erklärt Rupp. Da das Wildschwein zudem sehr mobil ist und ein mehrere Quadratkilometer großes Areal beansprucht, spiegelt es auch die Belastung auf einer größeren Fläche wider – ein Vorteil gegenüber Bodenproben, mit denen es deutlich schwerer ist, Aussagen zur PFAS-Belastung größerer Flächen zu treffen. Zudem ist das Wildschwein ein Allesfresser und steht relativ weit oben in der Nahrungskette, denn es frisst Mäuse, Frösche, Schnecken oder Würmer, die ihrerseits belastet sind. Auch wühlt es viel im Boden und nimmt darüber zusätzlich PFAS auf.
Leberproben verraten PFAS-Belastung
Als geeignete Probe für das Monitoring wählten die Forschenden die Leber der Wildschweine, weil sie bei erlegten Tieren ohnehin oft nicht zum Verzehr verwendet wird und weil sie besonders viele PFAS enthalten müsste: “PFAS reichern sich nicht wie die meisten Umweltschadstoffe im Fettgewebe an, sondern binden sich eher an Proteine. Deswegen zirkulieren sie im Blut und sind in der Leber sehr gut nachzuweisen”, erklärt Rupp.
Um herauszufinden, ob sich Wildschweinleber wirklich als Bioindikator eignet, hat das Forschungsteam die Lebern von Wildschweinen von drei Standorten auf 66 verschiedene PFAS untersucht. Bei den Standorten handelte es sich um ein Industriegebiet, eine Fläche, auf der bis in die 2000er Jahre PFAS-belasteter Papierschlamm auf die Felder ausgebracht wurde und eine Kontrollfläche, an der sich die Hintergrundbelastung der PFAS feststellen ließ. Ergänzende Proben aus der Umwelt dieser Standorte dienten als Vergleichswerte.





