Das Aussterben der Megafauna nach der letzen Eiszeit vor rund 12.000 Jahren sorgt schon seit Jahrzehnten für Rätselraten. Denn bis heute ist umstritten, welche Faktoren an diesem drastischen Artenschwund schuld waren. Damals verschwanden rund 70 Prozent aller Säugetiere, die mehr als 44 Kilogramm wogen, bei Tieren mit mehr als 100 Kilogramm Körpergewicht betrug der Schwund sogar 90 Prozent. Weil das Ende der Mammuts und Wollnashörner, aber auch der Riesenhirsche und Wildpferde vielerorts mit der Verbreitung des Menschen zusammenfiel, gilt die Bejagung durch unsere Vorfahren als ein möglicher Grund für die nacheiszeitliche Aussterbewelle. Aber zur gleichen Zeit veränderte sich auch das Klima deutlich: Es wurde wärmer und die eiszeitlichen Steppenlandschaften wurden zumindest in Europa, Asien und Nordamerika allmählich zu Wäldern. Viele Forscher halten es daher für wahrscheinlich, dass dieser Umschwung und der damit verbundene Verlust des angestammten Steppenlebensraums die Megafauna nach und nach immer weiter dezimierten. Ob Klima oder Mensch – oder beides – die Ursache waren, ist noch immer strittig.
Wandel zu dunkleren Fellfarben
Doch unabhängig von den Ursachen gibt ein weiterer Aspekt des nacheiszeitlichen Aussterbens Rätsel auf: Während in Nordamerika die Wildpferde komplett ausgerottet wurden, überlebten sie in Eurasien offenbar problemlos – aber warum? “Warum überlebten die an offene Steppen angepassten Pferde das Holozän in Europa, während dies generalistischeren Arten wie den Mammuts nicht gelang?”, fragten sich auch Edson Sandoval-Castellanos von der Autonomen Nationaluniversität Mexiko und seine Kollegen. Um mehr über das Überleben der damaligen Wildpferde herauszufinden, haben die Forscher das Erbgut von 27 fossilen Wildpferden näher untersucht. Die Relikte stammten aus verschiedensten Regionen Europas und Russlands und waren zwischen 17.000 und 5200 Jahre alt.
Als die Wissenschaftler die Gene für Fellfarbe bei diesen Pferden verglichen, zeigte sich eine Auffälligkeit: Während der Eiszeit und bis kurz nach ihrem Ende dominierte im Agouti-Gen der Wildpferd-DNA die Genvariante “A”. Diese fördert die Ausbildung einer hellen Fellfarbe, wie sie noch heute bei Preszwalski-Pferden üblich ist. Doch vor rund 8000 Jahren änderte sich dies: Nun begann die Genvariante “a” Überhand zu nehmen. Sie jedoch verursacht eine deutlich dunklere Fellfarbe und ist beispielsweise bei Rappen aktiv, wie die Forscher erklären. Doch was löste diesen Wandel aus? Berechnungen ergaben, dass dieser Wechsel von hell zu dunkel zu ausgeprägt war, um bloß zufällig entstanden zu sein. Es muss damals einen Selektionsdruck gegeben haben, der die dunkle Fellfarbe vorteilhafter machte, so der Verdacht von Sandoval-Castellanos und seinen Kollegen.





