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Wildpferde kehren in die kasachische Steppe zurück
Erde & Umwelt

Wildpferde kehren in die kasachische Steppe zurück

Przewalski-Pferde im Wiederansiedlungszentrum in Kasachstan vor ihrer Auswilderung. · Foto: © Jack Mifflin/ ADCI, IZW

Nach rund 200 Jahren sind sie zurück: Fünf Przewalski-Pferde aus europäischen Zoos wurden in der Steppe Zentralkasachstans ausgewildert. Unter der Betreuung von Tierärzten, Biologen und Pflegern gewöhnten sie sich zunächst ein Jahr an das Leben in ihrer neuen Heimat. Zusammen mit weiteren ausgewilderten Przewalski-Pferden sollen sie zukünftig das Steppenökosystem stärken.
Autor
Paula Meister
22. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Erde & Umwelt

Die Przewalski-Pferde galten lange als letzte Wildpferde Asiens, waren jedoch in freier Wildbahn weitestgehend ausgestorben. Nur durch Zuchtprogramme gelang es, diese letzten Wildpferde Asiens vor dem sicheren Ende zu bewahren. Mit nur zwölf Wildpferd-Hengsten und -Stuten und einer mongolischen Hauspferdstute, die von einem Przewalski-Hengst gedeckt worden war, begannen europäische Zoos und Tierparks Ende der 1960er Jahre mit dem Rettungsprogramm für die Przewalski-Pferde. In den 1990er Jahren wurden dann die ersten Pferde nach Zentralasien gebracht und ausgewildert.

Rückkehr in die alte Heimat

Jetzt sind erste Przewalski-Pferde auch in die kasachische Turgai-Steppe zurückgekehrt – eines ihrer ursprünglichen Verbreitungsgebiete. Im Sommer 2025 wurde eine erste kleine Herde aus europäischen Zoos in dieses Gebiet ausgewildert, Ende Mai 2026 folgten fünf weitere Pferde – ein Hengst und vier Stuten. Die Auswilderung ist der Auftakt für ein internationales Wiederansiedlungsprogramm, das bis 2029 bis zu 45 Wildpferde in diese Steppe zurückbringen soll. Das Programm organisiert die kasachische Naturschutzbehörde gemeinsam mit europäischen Zoos, Naturschutzorganisationen und dem Hortobágy-Nationalpark in Ungarn.

„(Es ist) die reine Freude, den Erfolg unserer langjährigen Mission mitzuerleben und zu sehen, wie Przewalski-Pferde – wieder einmal – ihre ersten Schritte in die Wildnis der Steppe machen“, berichtet Michael Brombacher von der am Projekt beteiligten Zoologischen Gesellschaft Frankfurt (ZGF).

Ein Jahr Vorbereitung

Vor der jetzt erfolgten Auswilderung war eine lange Vorbereitungszeit nötig. Im Juni 2025 wurden die Pferde aus dem Wildnispark Zürich in der Schweiz und dem Hortobágy-Nationalpark in Ungarn nach Kasachstan transportiert. Dort beobachtete und betreute ein Team aus Wildtierärzten, Biologen und Tierpflegern die Tiere zunächst für ein Jahr in einem Wiederansiedlungszentrum. Die Pferde konnten sich in dieser Zeit an den kalten Winter gewöhnen und lernten, im tiefen Schnee nach Futter zu graben und selbstständig natürliche Wasserstellen zu finden.

Um die Bewegung der Przewalski-Pferde in ihrem neuen, 40.000 Quadratkilometer großen Territorium beobachten können, legte das Team zwei Stuten vor der Freilassung Satellitenhalsbänder an. „Die Pferde sind äußerst scheu und halten Abstand zu Menschen, doch um ihnen Halsbänder anzulegen, mussten wir nah an sie herankommen“, erklärt Julia Bohner vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung. „Zu diesem Zweck legten die Pfleger mehrere Tage lang Futter in kleinere Gehege-Abschnitte, um sie anzulocken. Schließlich hatten wir Glück und die Pferde kamen hinein. Dann konnten wir die Tore schließen, sie betäuben und mit dem Eingriff beginnen.“

Biologen mit Pferd

Julia Bohner und Albert Salemgareyev legen einer Przewalski-Stute das Sendehalsband an. — © Jack Mifflin/ ADCI, IZW

Die Betäubung nutzten die Fachleute auch für eine letzte Gesundheitskontrolle: „Wir nahmen Proben, untersuchten die Zähne, korrigierten bei Bedarf die Hufe, verabreichten Medikamente und legten die Satellitenhalsbänder an“, berichtet Bohner. Nach dem alle Kontrollen erfolgt waren, kam der Tag der Auswilderung: Die Pferde wurden in die Freiheit entlassen. Die ersten Daten der Satellitenhalsbänder zeigen allerdings, dass sich die Tiere bislang noch in der Nähe des ihnen vertrauten Auswilderungszentrums aufhalten.

Przewalski-Pferde wichtig für Erhaltung der Steppenlandschaft

Langfristig soll das Auswilderungsprojekt dazu dienen, in der Turgai-Steppe wieder eine eigenständige und stabile Population der Wildpferde aufbauen. Dabei geht es um mehr als die Rückkehr einer seltenen Art. Die Przewalski-Pferde haben als große Pflanzenfresser eine wichtige Funktion im Ökosystem der Steppenlandschaft: Wenn sie grasen, fördern sie den Wuchs heimischer Pflanzen, bremsen die Ausbreitung trockener Flächen und könnten die Intensität saisonaler Brände abschwächen.

Der Aufwand für die Wiederansiedlung ist jedoch groß. „Wir dürfen nie vergessen, wie enorm die Kosten und Anstrengungen sind, um Arten zurückzubringen, die in freier Wildbahn ausgestorben sind“, sagt Brombacher vom ZGF. Umso wichtiger sei es deshalb, die Natur frühzeitig zu schützen.

Quelle: Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) im Forschungsverbund Berlin e.V.

AuswilderungKasachstanPrzewalskiSteppeWildpferd
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