Soweit die Theorie. Diese aber zu beweisen, war nicht ganz einfach. Denn durch bloßes Beobachten von außen lässt sich die Todesursache nicht feststellen und auch eine Obduktion verrät nicht die mörderischen Details. Boback und seine Kollegen entschieden sich daher notgedrungen dafür, ein paar Ratten zu betäuben, mit einem ganzen Satz von Elektroden und Sensoren auszustatten und dann diese präpartierte Beute den Würgeschlangen zum Fraß vorzuwerfen. “Das fiel uns nicht leicht und wir wollten sichergehen, dass die Ratten keine Schmerzen dabei empfinden oder leiden”, betont Boback. Für die Würgeschlange war auch die betäubte Ratte eine willkommene Beute und sie griff sie an, ohne lange zu zögern. Meist schlang sie dabei ihren Körper um den Brustkorb und das Abdomen der Ratten, in einigen Fällen legte sich auch eine Schlinge um den Hals der Tiere. Dank der Sensoren konnten die Forscher dabei mitverfolgen, wie sich Herzschlag, Blutdruck und der Kreislauf der Tiere während des Würgens veränderte.
Blutdruck fällt, Herzschlag ist gestört
Als die Schlange ihren Würgegriff zuzog, ging alles sehr schnell: “Wir konnten zuschauen, wie der arterielle Blutdruck abfiel und der venöse Druck anstieg”, berichtet Boback. “Das alles ging so schnell, dass meine Studenten völlig ungläubig dreinschauten.” Innerhalb von nur sechs Sekunden des Würgens fiel der periphere Blutdruck der Ratten um die Hälfte ab. Der Blutdruck in den Venen stieg dagegen um das Sechsfache an. Gleichzeitig begann sich der Herzschlag immer weiter zu verlangsamen, der Puls wurde zudem unregelmäßig. “Diese Veränderungen in der Herzfrequenz sind keineswegs trivial und deuten auf eine schnelle und verheerende Wirkung auf die Herzfunktion schon innerhalb der ersten 30 Sekunden nach Würgebeginn hin”, sagen die Forscher. Als Folge gelangt nicht mehr genügend sauerstoffreiches Blut in den Körper und die Organe beginnen an Unterversorgung zu leiden. Vor allem Leber, Gehirn und das Herz selbst wären wegen ihres schnellen Stoffwechsels die ersten, die unter diesen Bedingungen aufhören zu arbeiten.
Diese Messungen sprechen dafür, dass die Würgeschlange ihre Opfer tatsächlich nicht erstickt, sondern buchstäblich zu Tode presst. Der Druck des Schlangenleibes vor allem auf Brust und Unterleib stört den Blutkreislauf so stark, dass er schon kurze Zeit nach dem Angriff kollabiert. Weil das Gehirn mit als erstes unter Sauerstoffmangel leidet, fällt das Opfer der Schlange schon wenige Sekunden nach dem Angriff in Ohnmacht. Seinen Tod erlebt es daher nicht mehr bewusst mit. Die Beobachtungen von Boback und seinen Kollegen könnten aber auch erklären, warum einige Beutetiere selbst dann sterben, wenn sie sich während des Würgeangriffs befreien können: Ihre Blutwerte und ihr Kreislauf sind dann bereits so durcheinander geraten, dass es nach ihrer Befreiung zu einem plötzlichen und übermäßigen Einstrom von Kalium ins Blut kommt – und das führt zu Lähmungen und zum Tod.





