Das ENSO-Phänomen, bestehend aus dem El Nino und seiner “kalten Schwester” La Nina, ist ein alle paar Jahre wiederkehrendes Klimaereignis im Pazifik. Weil der EL Nino meist ungefähr zu Weihnachten seinen Höhepunkt erreicht, erhielt er einst von peruanischen Fischern den Namen “Das Kind” – El Nino. Bei einem El Nino erwärmt sich die Meeresoberfläche im äquatorialen Pazifik stärker als normal, gleichzeitig schwächen sich die Passatwinde ab. Als Folge wird die normalerweise kalte Meeresströmung vor der Westküste Mittel- und Südamerikas blockiert und großräumige Luftströmungen ändern sich – mit Folgen für das Klima weltweit. So machte ein besonders starker El Nino das Jahr 2016 zum wärmsten Jahr seit Beginn der Aufzeichnungen. Aber auch Wetterextreme häufen sich in El-Nino-Jahren: Meist bringt ein El Nino eine Periode ungewöhnlicher Trockenheit und Hitze für Australien und weite Teile Südostasiens und Südafrikas. Der Regen, der dort fehlt, geht dafür umso reichlicher über der Westküste Süd- und Nordamerikas nieder. Überschwemmungen, Erdrutsche und extreme Erosion sind die Folge.
Widersprüche in den Prognosen
Die große Frage aber ist, wie sich die Häufigkeit und Intensität von El-Nino-Ereignissen durch den Klimawandel verändern wird. Bisher kommen Studien hier zu sehr widersprüchlichen Ergebnissen. So prognostizierte eine Forschergruppe, dass sich die für dieses Klimaphänomen typischen atmosphärischen Strömungen durch die globale Erwärmung eher abschwächen werden. Sie sagten deshalb eine schwache, aber dauerhafte El-Nino-Situation voraus. Zu gegenteiligen Schlüssen kam jedoch fast zeitgleich eine zweite Forschergruppe, die eine deutliche Zunahme der besonders starken El Ninos prognostizierte. Erschwerend kommt hinzu, dass Klimaforscher zwischen Ostpazifischen, besonders schwerwiegenden, und zentralpazifischen, meist eher schwächeren El-Nino-Ereignissen unterscheiden.
Um das Problem der widersprüchlichen Prognosen zu lösen, haben Wenju Cai vom Meeres- und Atmosphärenforschungszentrum der australischen Forschungsorganisation CSIRO und sein Team nun den Einfluss des Klimas auf das ENSO-Phänomen noch einmal detailliert untersucht. Für ihre Studie modellierten sie die Wind- und Meereszustände in 34 verschiedenen Klimamodellen. Sie simulierten dabei die Bedingungen, wie sie für eine nahezu ungebremste Erwärmung – das sogenannte Szenario RCP 8.5 – vorhergesagt werden. Im Gegensatz zu früheren Studien unterschieden sie dabei zwischen dem ostpazifischen und zentralpazifischen El Nino und bezogen auch die genaue Lage der Zentren mit ein – der Gebiete mit der extremsten Meerestemperatur.
In Zukunft mehr starke El Ninos
Bei der Modellierung stießen die Forscher auf ein überraschendes Phänomen – und eine mögliche Erklärung für die bisher so widersprüchlichen Ergebnisse. Denn die Verteilung und Ausprägung der verschiedenen El-Nino-Typen unterscheidet sich. Demnach sind im Zentralpazifik die kalten La Nina-Ereignisse stärker ausgeprägt als der El Nino, im Ostpazifik ist es dagegen umgekehrt. Wird dies jedoch nicht berücksichtigt, verfälscht dies die Prognoseergebnisse. Nachdem die Wissenschaftler diese Anomalien in ihre Simulationen miteinbezogen hatten, ergaben sich tatsächlich einheitlichere Prognosen: 88 Prozent der Modelle sagten verstärkte Schwankungen der Meerestemperaturen in den El-Nino-Zentren voraus, wenn die globale Erwärmung fortschreitet.





