Viele europäische Unternehmen wollen den CO₂-Ausstoß ihrer Dienstwagen senken. Plug-in-Hybridfahrzeuge gelten dabei als vielversprechend: Sie kombinieren einen Verbrennungsmotor mit einem extern aufladbaren Elektromotor und können dadurch kurze Strecken rein elektrisch zurücklegen. Allerdings sparen solche Plug-in-Hybride nur dann Emissionen ein, wenn ihre Akkus aufgeladen sind und sie die elektrische Reichweite so voll ausnutzen können. Entsprechend wichtig ist eine ausreichende Ladeinfrastruktur.
Mehr Komfort, weniger Emissionen
Johannes Gessner von der Hochschule für Wirtschaft in Toulouse und seine Kollegen haben daher untersucht, welchen Einfluss private Lademöglichkeiten – wie eine Wallbox zu Hause – auf die Nutzung von Dienstwagen haben. Die Forschenden analysierten dafür mehr als 266.000 Lade- und Tankvorgänge von rund 1290 Dienstfahrzeugen eines großen deutschen Unternehmens, darunter Plug-in-Hybride und vollelektrische Fahrzeuge. Die Mitarbeiter erhielten für das Laden ihrer Dienstwagen Wallboxen, die zeitversetzt installiert wurden. Dadurch konnte das Team Daten von Beschäftigten mit und ohne verfügbare Wallbox vergleichen und so untersuchen, wie das Laden zu Hause den Strom- und Kraftstoffverbrauch, die CO₂-Emissionen und die spätere Fahrzeugwahl beeinflusst.
Das Ergebnis: Mitarbeitende, die eine Wallbox erhalten, laden ihre Plug-in-Hybride fast fünfmal häufiger als zuvor und fahren entsprechend häufiger elektrisch. Dadurch sinkt der Kraftstoffverbrauch und die direkten CO₂-Emissionen gehen um mehr als ein Drittel zurück. Außerdem entscheiden sich Beschäftigte, die zu Hause laden können, beim nächsten Fahrzeugwechsel doppelt so häufig für ein rein elektrisches Auto. „Schon der Komfort, zu Hause laden zu können, verändert das Verhalten messbar – und senkt die Emissionen, ganz ohne finanziellen Anreiz“, sagt Co-Autor Wolfgang Habla von der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Die Mitarbeitenden kostet das Heimladen kein Geld – das Unternehmen übernimmt die Energiekosten der Dienstwagen ohnehin. Das Verhalten ändert sich also hauptsächlich durch den zusätzlichen Komfort.
Wallboxen lohnen sich auch für Unternehmen
Auch für die Unternehmen lohnt sich die Investition in Wallboxen – sie rechnet sich innerhalb von acht bis zwölf Jahren, wie das Team ermittelte. „Private Ladeinfrastruktur kann ein äußerst wirksames Instrument sein, um die dringend notwendige Senkung der CO₂-Emissionen im Straßenverkehr zu erreichen“, schreiben Gessner und seine Kollegen. Über 20 Jahre hinweg gerechnet vermeiden Unternehmen mit der Wallbox pro Beschäftigtem im Schnitt 13 Tonnen CO₂. Um denselben kurzfristigen Klimaeffekt allein über höhere Kraftstoffpreise zu erreichen, müsste Benzin um rund 95 Prozent und Diesel um rund 135 Prozent teurer werden.
Die Forschenden empfehlen der Politik deshalb, den Zugang zu privaten Lademöglichkeiten stärker zu fördern. Wallboxen sind ihrer Einschätzung nach eine wirksamere Motivation zum Umstieg als die bisherigen Kaufprämien für Plug-in-Hybride. Diese setzen bislang weder Anreize, tatsächlich elektrisch zu fahren, noch fördern sie den Umstieg auf reine E-Autos, wie das Team erklärt. Gessner und seine Kollegen schlagen deshalb vor, Kaufprämien an das Vorhandensein einer privaten Lademöglichkeit zu koppeln oder sie künftig nur noch für reine Elektroautos zu gewähren und gleichzeitig den Einbau von Wallboxen zu fördern.
Impuls auch für Privatautos
Langfristig könnte das auch die Elektromobilität außerhalb der Dienstwagenflotten voranbringen. So waren im Jahr 2022 rund 39 Prozent aller Neuzulassungen in Deutschland Firmenwagen. 51 Prozent der neu zugelassenen Plug-in-Hybride und 40 Prozent der reinen Elektroautos liefen 2023 auf Unternehmen. Da viele Dienstwagen später auf dem Gebrauchtwagenmarkt verkauft werden, könnten die elektrischen Dienstfahrzeuge nach einigen Jahren auch die Elektromobilität in privaten Haushalten verstärken.
Quelle: Duale Hochschule Baden-Württemberg Villingen Schwenningen. Fachartikel: ZEW Discussion Paper, doi: 10.2139/ssrn.4932955





