Gelingt es einer Tier- oder Pflanzenart, sich in einer Region auszubreiten, in der sie eigentlich nicht heimisch ist, richtet sie oft große Schäden an: Da natürliche Feinde und Konkurrenten in vielen Fällen fehlen, kann sie sich übermäßig vermehren und dabei heimische Arten verdrängen oder beispielsweise durch Fraß gefährden. Eingeschleppte Arten sind dadurch einer der wichtigsten Gründe für das Artensterben. Zusätzlich sind sie für massive wirtschaftliche Verluste verantwortlich: Invasive Unkräuter machen den Ackerbau ineffizienter, eingeschleppte Insekten und Kleintiere fressen Erntegüter und auch die touristische Attraktivität einer Region kann durch invasive Arten leiden.
Kosten durch eingeschleppte Arten steigen
Um herauszufinden, wie groß solche Schäden tatsächlich sind, hat nun ein Team um Christophe Diagne von der Université Paris-Saclay in Frankreich tausende veröffentlichte Kostenschätzungen ausgewertet und zusammengefasst. Auf dieser Basis haben die Forscher berechnet, dass invasive Arten zwischen 1970 und 2017 weltweit Kosten in Höhe von mindestens 1,288 Billionen US-Dollar verursacht haben. „Die globalen Kosten durch gebietsfremde Arten sind so massiv, dass wir Monate damit verbracht haben, unsere Modelle und diese Gesamtschätzung zu überprüfen, um sicherzustellen, dass wir nicht übertreiben“, sagt Diagne. „Wie sich herausstellte, ist unser Ansatz stattdessen sogar eine massive Unterschätzung der tatsächlichen wirtschaftlichen Kosten.“
Seit 1970 sind die berichteten Kosten von Jahr zu Jahr gestiegen. Laut Diagne und Kollegen kann dies einerseits damit zusammenhängen, dass die wirtschaftlichen Verluste durch invasive Arten mehr ins Bewusstsein gerückt sind und dadurch verstärkt erfasst wurden. Da aber zugleich zu beobachten ist, dass sich invasive Arten weltweit mehr und mehr ausbreiten, gehen die Autoren davon aus, dass nicht nur die berichteten, sondern auch die tatsächlichen Kosten gestiegen sind. „Wir haben herausgefunden, dass sich die Kosten etwa alle sechs Jahre verdoppeln, ein Muster, das den kontinuierlichen Anstieg der Anzahl fremder Arten weltweit nachahmt“, so Co-Autor Corey Bradshaw von der Flinders University in Australien.
Invasive Insekten als größter Kostenfaktor
Erklären lasse sich der Kostenanstieg durch eine Kombination von Faktoren: „Die anhaltende Intensivierung des globalen Handels und Transports schafft mehr und mehr Möglichkeiten für die Invasion von Tieren und Pflanzen in neue Gebiete“, erklären die Autoren. „Zusätzlich macht die wachsende Landnahme der Planetenoberfläche, zum Beispiel durch die Ausweitung von Landwirtschaft und Infrastruktur, unsere Gesellschaften empfindlich für die Auswirkungen dieser Einschleppungen.“






