Welche Rolle spielt das Dopamin?
Tatsächlich zeigen Versuche mit Ratten, deren Dopamin-Ausschüttung durch Amphetamine künstlich erhöht wurden, dass diese Zeitintervalle als kürzer einschätzen, als sie wirklich sind. Aus diesen Beobachtungen erwuchs die sogenannte Dopamin-Uhr-Hypothese, nach der das Glückshormon den Takt unserer inneren Uhr und gleichzeitig unsere bewusste Zeitwahrnehmung und Aufmerksamkeit beeinflusst. Doch ein eindeutiger Beleg für die Rolle des Dopamins fehlte bisher. Zudem ergaben Studien widersprüchliche Ergebnisse zur Wirkungsweise des Neurotransmitters: Einige legten nahe, dass eine erhöhte Ausschüttung des Hormons das Steuerzentrum der inneren Uhr in unserem Gehirn beschleunigt. Das jedoch müsste unsere subjektive Zeitwahrnehmung bei Glücksgefühlen eher verlangsamen als sie zu beschleunigen.
Mehr Klarheit in die Mechanismen hinter unserem subjektiven Zeitempfinden bringen nun Sofia Soares vom Champalimaud Centre for the Unknown in Lissabon und ihre Kollegen. In Versuchen mit Mäusen haben sie untersucht, was in einem ganz bestimmten Hirnareal geschieht, wenn die Tiere Zeitintervalle schätzen sollten. Ihr Zielgebiet waren die Dopamin-ausschüttenden Neuronen in der Substantia nigra des Mittelhirns – eine Hirnregion, die bei Parkinson-Patienten fortschreitend zerstört wird. Eigenheiten solcher Patienten brachten die Forscher erst auf diese Idee: “Es ist bekannt, dass die von Parkinson Betroffenen oft Probleme haben, Zeit richtig einzuschätzen”, sagen Wissenschaftler. Um die Rolle der Dopamin-Neuronen untersuchen zu können, brachten die Forscher Mäusen bei, einzuschätzen, ob die Spanne zwischen zwei Tönen länger oder kürzer ist als 1,5 Sekunden. Ihre Antwort gaben die Tiere, indem sie ihre Schnauze entweder auf einen langen oder kurzen Schlitz legten. Lagen sie richtig, bekamen sie eine Belohnung. Während die Mäuse diese Übung durchführten, beobachteten die Wissenschaftler, was im Gehirn ihrer tierischen Probanden passierte. Mithilfe einer photometrischen Methode brachten sie dabei die Neuronen in der Substantia nigra zum Fluoreszieren. Dabei galt: Je mehr Licht die Nervenzellen emittierten, desto aktiver waren sie.
Innere Uhr ausgebremst
Es zeigte sich, dass die dopaminergen Neuronen tatsächlich aktiv wurden, wenn die Mäuse die Zeitintervalle abschätzten. Sie schienen für die Zeitmessungsaufgabe demnach von Bedeutung zu sein. “Was wir sahen, war Folgendes: Je stärker die neuronale Aktivität beim Hören der Töne anstieg, desto mehr neigten die Mäuse dazu, die vergangene Zeit zu unterschätzen. Je geringer der Anstieg, desto mehr überschätzten sie sie”, erläutert Mitautor Joseph Paton. Damit war der erste Beweis erbracht: Es gibt einen starken Zusammenhang zwischen der Aktivität der Dopamin-Neuronen und dem subjektiven Zeitempfinden. Und offensichtlich scheint eine verstärkte Ausschüttung des Glückshormons Dopamin dabei die subjektiv empfundene Zeit zu verkürzen. Aber was passiert dabei mit der inneren Uhr? Läuft sie nun schneller oder langsamer? Und handelte es sich hierbei wirklich um eine kausale Verknüpfung oder lediglich um eine Korrelation?





