Im Pariser Klimaabkommen hat sich die internationale Staatengemeinschaft darauf geeinigt, die globale Erwärmung durch Klimaschutzbemühungen möglichst auf 1,5 Grad gegenüber präindustriellen Bedingungen zu beschränken, auf jeden Fall aber auf zwei Grad. Inzwischen ist das Abkommen jedoch fast sieben Jahre her und getan hat sich kaum etwas. Noch immer steigen die Treibhausgasemissionen in kaum gebremstem Maße an und es besteht laut Studien kaum noch eine Chance, das 1,5-Grad-Ziel zu halten. Stattdessen liegt die Erwärmung schon jetzt bei 1,14 Grad und Klimaforscher prognostizieren erste Überschreitungen der 1,5-Grad-Grenze schon in den nächsten Jahren. Gleichzeitig warnte der Weltklimarat IPCC schon im Jahr 2018 vor den weitreichenden Folgen einer Erwärmung um zwei Grad. Schon ein halbes Grad mehr gegenüber dem 1,5-Grad-Ziel könnte demnach Wetterextreme, Wasserknappheit und den Verlust von Ökosystemen deutlich verstärken.
Überschreitung der Zwei-Grad-Grenze in den 2040er Jahren
Was aber heißt dies konkret? “Die bei zwei Grad eintretenden Klimaveränderungen und ihre räumliche Heterogenität zu verstehen, ist wichtig, damit Entscheider entsprechende Anpassungen und Maßnahmenpläne vorbereiten können”, klären Taejin Park vom Ames Research Center der NASA und seine Kollegen. Denn nur dann könne man identifizieren, wo und in welchem Maße Leben und Lebensgrundlagen gefährdet seien. Um die Prognosen entsprechend zu präzisieren, haben Park und sein Team ein Ensemble aus 35 Klimamodellen des Coupled Model Intercomparison Project (CMIP) verwendet. Zusätzlich nutzten sie spezielle statistische Verfahren, um die räumliche Auflösung dieser Modellprognosen von rund 200 mal 200 Kilometer auf 25 mal 25 Kilometer zu erhöhen. Ihr mithilfe von Supercomputern erstelltes Prognosemodell hat zudem eine hohe zeitliche Auflösung, die über monatliche Mittelwerte hinausgeht und auch Tagesschwankungen widerspiegeln kann. Dies ist besonders wichtig, um extreme Hitzetage oder Starkregenfälle zu erfassen.
Auf Basis dieses neuen Prognosemodells untersuchte das Forschungsteam dann zunächst, wie sich das weltweite Klima bei mäßigem und ungebremsten Klimawandel bis 2100 entwickelt und wann die Zwei-Grad-Grenze überschritten wird. Das Ergebnis: In beiden Szenarien wird dieser Schwellenwert voraussichtlich in den 2040er Jahren erreicht, im ersten Fall im Jahr 2041 im zweiten im Jahr 2044. “Die globalen Lufttemperaturen über Land werden zu diesem Zeitpunkt um 2,33 beziehungsweise 2,79 Grad angestiegen sein”, berichten Park und sein Team. Der Grund für diese höheren Landtemperaturen liegt darin, dass die Ozeane verzögert auf den Klimawandle reagieren und daher als kühlere Puffer wirken. Die Prognose bestätigt zudem, dass sich einige Regionen – wie schon jetzt beobachtbar – schneller erwärmen werden als der Rest der Welt. Dazu gehören vor allem die Polargebiete. “Insbesondere Grönland, Alaska und Nordasien werden den Prognosen zufolge in den 2040er schon eine Erhöhung der Jahresmitteltemperaturen über drei Grad erreicht haben”, berichten die Forschenden. In Südasien, Afrika und dem südlichen Südamerika fällt die Erwärmung dagegen schwächer aus.





