Deutschland braucht für seinen derzeitigen Lebensstandard und seine Wirtschaft viel Energie. Dafür kauft der Staat in großen Mengen Erdöl und Erdgas ein und lässt sie in Raffinerien weiterverarbeiten, vor allem für den Verkehr. Autos, aber auch Haushalte und Unternehmen verbrennen diese Energieträger dann. Im weltweiten Vergleich ist Deutschland einer der größten Öl- und Gasimporteure. Bei der Förderung, der Verarbeitung, dem Transport und Verbrauch dieser fossilen Brennstoffe fallen jeweils Emissionen von CO2 und Methan an, die das Klima schädigen. Zudem wird die Umwelt an Land und zu Wasser durch zahlreiche Schadstoffe und Lärm belastet.
Aber wie groß ist der Einfluss der deutschen Öl- und Gasgeschäfte konkret und wie wirkt er sich auf die Natur in anderen Teilen der Welt aus? Diesen Fragen ist nun die Deutsche Umwelthilfe (DUH) nachgegangen und hat systematisch die deutschen fossilen Geschäfte der vergangenen Jahre analysiert. Die Ergebnisse hat die Organisation plakativ in einem „Atlas der Zerstörung“ zusammengefasst. Diese Datensammlung belegt, dass der deutsche Öl- und Gasverbrauch weltweit Ökosysteme zerstört und die Klimakrise verschärft.

Ausmaß und Herkunft der deutschen Importe
Der Organisation zufolge gibt Deutschland jedes Jahr rund 80 Milliarden Euro für den Import von fossilem Öl und Gas aus. Wie aus dem Atlas hervorgeht, waren dies 82 Milliarden Kubikmeter Erdgas und 84 Millionen Tonnen Rohöl allein im Jahr 2024, womit das Land weltweit an neunter Stelle der Ölimporteure steht. Das Erdöl bezieht unser Land nicht mehr aus Russland, wo es vor dem Ukrainekrieg vornehmlich herkam, sondern zuletzt vor allem aus Norwegen, den USA und Kasachstan, gefolgt von Libyen und Großbritannien. Zudem importiert Deutschland vermehrt auch Öl per Schiff aus Ländern wie Nigeria, Saudi-Arabien und Guyana.
Das Erdgas stammt ebenfalls nicht mehr vornehmlich aus Russland, sondern vor allem aus Norwegen, den Niederlanden und Belgien. Allerdings stammt das durch die Pipelines dieser Nachbarländer strömende Gas oft ursprünglich von woanders: Der größte Teil dieser indirekten Gasimporte kommt aus Norwegen, den USA, Katar und Großbritannien – sowie auch weiterhin aus Russland. Ein Teil davon ist regasifiziertes Flüssigerdgas (LNG), das bei den direkten deutschen Gasimporten bisher nur eine kleine Rolle spielt; 2024 waren es rund acht Prozent. Dieses LNG kam vor allem aus den USA. Für die kommenden Jahre und Jahrzehnte hat Deutschland jedoch bereits mehrere große LNG-Importverträge geschlossen, mit Partnern aus den USA ebenso wie mit Partnern aus Katar, den Vereinigten Arabischen Emiraten, Norwegen, Kanada und dem Oman. Dafür wurde in den vergangenen Jahren massiv die LNG-Infrastruktur in Norddeutschland sowie in den Exportländern ausgebaut, was die Umwelt belastet und vor allem marine Lebensräume zerstört.
Folgen des deutschen Rohstoffhandels
Die deutschen Importe von Erdöl und Erdgas haben darüber hinaus noch weitere Folgen für die Herkunftsländer und ihre Umwelt. So kommt es dort bei der Ölförderung oft zu Unfällen, bei denen das Grund- und Meerwasser mit Öl, Schwermetallen und Chemikalien vergiftet wird. Bei der Förderung von Erdgas wird außerdem häufig ungenutztes Gas unvollständig abgefackelt (Flaring). Dies setzt das Treibhausgas CO2 sowie teils krebserregende Luftschadstoffe frei. Zudem wird vielerorts bei der Öl- und Gasförderung anfallendes Methan direkt in die Atmosphäre entlassen. Die Emissionen der Öl- und Gasförderungen schaden so dem Klima, können durch ihre Beimischungen Luft und Wasser verschmutzen und die Gesundheit der Menschen vor Ort schädigen, wie die Organisation mitteilt.
Hinzu kommt, dass sich „deutsche Konzerne, Banken und staatliche Akteure“ finanziell an umweltschädlichen Förder- und Verarbeitungsanlagen im Ausland beteiligen. „Sie finanzieren mit 20,1 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 über zwei Prozent der weltweiten fossilen Infrastrukturvorhaben“, so die Deutsche Umwelthilfe. Auch wenn Deutschland selbst keine fossilen Rohstoffe fördert, sondern sie nur importiert, ist es damit indirekt für massive Klima- und Umweltschäden weltweit mitverantwortlich, konstatiert die Organisation.
Forderungen an die Bundesregierung
Die Deutsche Umwelthilfe stellt angesichts ihrer Ergebnisse politische Forderungen, um die Pariser Klimaziele einzuhalten. So soll die Bundesregierung ihrer Ansicht nach keine neuen Verträge zum langfristigen Bezug fossiler Rohstoffe mehr abschließen und keine Subventionen mehr auf klimaschädliche Energieträger bezahlen. Stattdessen soll die Regierung einen konkreten Plan entwickeln, wie Deutschland möglichst schnell gar kein Öl und Gas mehr beziehen muss und stattdessen komplett auf erneuerbare Energien umstellen kann. Dafür soll vor allem der Verkehr klimafreundlicher und fossilärmer werden, aber auch Heizungen. Das hätte dann auch finanzielle und politische Vorteile: „Eine schnelle Abkehr von fossilen Energien schützt nicht nur Klima und Natur, sondern macht unsere Gesellschaft widerstandsfähiger gegenüber Preisrisiken und geopolitischen Krisen“, schreibt die Deutsche Umwelthilfe.
Quelle: Deutsche Umwelthilfe





