Deutschland ist eines der wasserreichsten Länder der Erde – gewaltige 188 Milliarden Kubikmeter stehen uns jedes Jahr zur Verfügung. Genutzt wird von diesem Reichtum nur rund ein Fünftel. Das Wasser, das zuhause aus den Hähnen kommt, stammt dabei zu rund 70 Prozent aus Grund- und Quellwasser und zu rund 30 Prozent aus Oberflächenwasser, etwa aus Seen, Talsperren oder Uferfiltraten.
Die Hausleitungen sind das Problem
Theoretisch kann man das Wasser aus der Leitung bedenkenlos trinken, denn Trinkwasser ist eines der am strengsten kontrollierten Lebensmittel in Deutschland. Dadurch ist seine Qualität manchmal sogar noch höher als die von Tafelwasser aus dem Supermarkt. Allerdings: Die gesetzlich vorgeschriebenen Kontrollen und Qualitätsstandards gelten nur bis zum Hausanschluss.
Und genau hier liegt das Problem: Oft sind in den Häusern noch alte Leitungen verlegt, die im Laufe der Zeit korrodieren und Schwermetalle an das Wasser abgeben können. Meist handelt es sich um Kupfer- oder verzinkte Rohre, teilweise aber auch noch um Bleirohre oder verzinkte Rohre mit Cadmiumanteil. Um herauszufinden, wie stark der Einfluss dieser Rohre auf die Wasserqualität ist, haben Forscher des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB in Stuttgart 1500 Wasserproben aus ganz Deutschland ausgewertet, die von Privatleuten und anderen Wasserverbrauchern zum Wassercheck eingeschickt wurden.
Jede sechste Probe überschreitet Grenzwerte
Und tatsächlich: Die Analyse zeigt, dass die Qualität, die bei uns im Wasserglas ankommt, nicht immer so ist wie sie sein sollte. So enthielt jede sechste eingesandte und ausgewertete Wasserprobe Schwermetalle wie Nickel, Blei, Kupfer, Eisen oder Mangan in Konzentrationen über den erlaubten Werten. Bei jeder zehnten Probe war zudem der Grenzwert für Nickel überschritten. Diese Schwermetalle wurden hauptsächlich aus den Hausleitungen und Armaturen in das Trinkwasser ausgeschwemmt, wie die Forscher erklären.

Überschreitungen der Grenzwerte für Blei und Nickel in den Proben. (Grafik: Fraunhofer IGB)
Ziemlich bedenklich war die Qualität des Trinkwasser aus vielen Hausbrunnen: Hier gab es bei den Nitratkonzentrationen drastische Überschreitungen der erlaubten Grenzwerte. Die analysierten Wasserproben zeigten bei 15,9 Prozent der Brunnen erhöhte Nitratwerte auf. Gerade für die Zubereitung von Säuglingsnahrung sind diese Werte eindeutig zu hoch, so die Forscher. Schuld an den überhöhten Nitratwerten in Brunnen ist in der Regel die Landwirtschaft: Der vielerorts reichlich ausgebrachte Dünger sickert mit dem Regenwasser in den Boden und das überschüssige Nitrat landet im Grundwasser.





