Weltweit kommen Pestizide zum Einsatz, um landwirtschaftliche Erträge zu sichern und Ernteverluste zu vermeiden. Die Giftstoffe richten sich meist gegen bestimmte Arten von Insekten, Unkräutern oder Pilzen, wirken allerdings in vielen Fällen auch darüber hinaus. So haben zahlreiche Studien beispielsweise gezeigt, dass sogenannte Neonicotinoide, die gegen Fraßinsekten eingesetzt werden, auch bestäubende Insekten wie Bienen gefährden und zudem die Fortpflanzung von Amphibien stören. Einige Neonicotinoide sind daher in der EU für den Freilandeinsatz bereits verboten. Andere Pestizide stehen ebenfalls im Verdacht, am Rückgang der Insekten und vieler Feldvögel beteiligt zu sein.
Weitreichende Auswirkungen
„Frühere Meta-Analysen der Auswirkungen von Pestiziden auf Nichtzielarten haben allerdings entweder nur bestimmte taxonomische Gruppen wie Fische oder Bienen oder bestimmte Lebensräume wie aquatische Ökosysteme betrachtet“, erklärt ein Team um Nian-Feng Wan von der Ostchinesischen Universität für Wissenschaft und Technologie in Shanghai. Um einen umfassenden, globalen Überblick zu schaffen, haben Wan und sein Team nun 1705 Labor- und Feldstudien ausgewertet, die den Einfluss von 471 verschiedenen Pestiziden auf 830 Arten von Tieren, Pflanzen und Mikroorganismen untersucht haben.
„Unsere Studie bietet einen beispiellosen Einblick in die Folgen des Pestizideinsatzes für die natürliche Umwelt weltweit“, sagt Co-Autor Ben Woodcock vom UK Centre for Ecology and Hydrology in Wallingford. Wie die Meta-Analyse zeigt, haben die Pestizide weitreichende negative Auswirkungen auf mehr als 800 Nichtzielarten im Wasser und an Land. Unter anderem beeinflussen sie die Fortpflanzung, den Stoffwechsel und das Verhalten zahlreicher Tiere und wirken sich überdies auf das Wachstum und die Vermehrung von Pflanzen und Pilzen aus. „Es wird oft angenommen, dass Pestizide in erster Linie für den Zielschädling und eng verwandte Organismen giftig sind, aber das ist eindeutig nicht der Fall“, sagt Co-Autor Dave Goulson von der Universität Sussex. „Besorgniserregend ist, dass wir weitreichende negative Auswirkungen auf Pflanzen, Tiere, Pilze und Mikroben festgestellt haben, die die Integrität der Ökosysteme bedrohen.“
Neue Pestizide nicht unbedingt besser
Zwischen Lebensräumen im Wasser und an Land stellten die Forschenden keine Unterschiede fest, auch nicht, wenn sie die unterschiedliche Belastung mit verschiedenen Pestiziden einbezogen. In verschiedenen Regionen der Welt sind die Effekte dagegen unterschiedlich schwer: „Die negativen Auswirkungen waren in gemäßigten Regionen ausgeprägter als in tropischen Regionen“, berichtet das Forschungsteam. Ein Grund dafür könnte möglicherweise sein, dass die Giftstoffe in warmen Gebieten mit hoher UV-Strahlung schneller abgebaut werden und sich dadurch weniger stark in der Umwelt verbreiten.





