Ein wichtiges Ziel der ökologischen Landwirtschaft ist es, den Einsatz von Pestiziden zu verringern. Statt chemischer Insektenvernichtungsmittel kommen beispielsweise Nützlinge zum Einsatz, die die Schädlinge auffressen. Auch Pilze und Unkraut werden bevorzugt ohne chemische Hilfsmittel bekämpft. Probleme können allerdings entstehen, wenn ökologisch und konventionell bewirtschaftete Anbauflächen benachbart sind, wie es heute in vielen Regionen der Fall ist. Wenn Pestizide oder Samen gentechnisch veränderter Pflanzen auf Bio-Felder wehen, kann das deren Zertifizierung gefährden. Andersherum beklagen konventionelle Landwirte teilweise, dass sich Unkrautsamen und Schädlinge von Bio-Betrieben auf ihre Felder ausbreiten und ihre Ernte gefährden. Systematisch erhoben wurden solche Effekte allerdings bislang nicht.
Wechselseitige Einflüsse
Ein Team um Ashley Larsen von der University of California in Santa Barbara hat nun für rund 14.000 landwirtschaftliche Flächen im kalifornischen Kern County ausgewertet, wie sich ökologisch und konventionell bewirtschaftete Felder gegenseitig im Hinblick auf den Pestizideinsatz beeinflussen. In Kern County werden zahlreiche Nutzpflanzen angebaut, darunter Weintrauben, Zitrusfrüchte, Mandeln, Pistazien, Karotten, Tomaten, Kartoffeln, Wassermelonen sowie verschiedenes Stein- und Kernobst. Viele dieser Pflanzen sind sehr anfällig gegenüber Insekten und Krankheiten, sodass einige der dortigen Anbauregionen zu denen mit dem höchsten Pestizidverbrauch in den USA zählen. Konventionelle und ökologische Betriebe grenzen oft direkt aneinander.
Das Forschungsteam analysierte für den Zeitraum von 2013 bis 2019, wie viele Pestizide Jahr für Jahr auf den einzelnen Feldern verwendet wurden und wie dies mit ihrer Lage im Verhältnis zu anderen ökologischen und konventionellen Felder zusammenhing. „Wir stellten fest, dass ökologisch wirtschaftende Erzeuger davon profitieren, wenn ihre Anbauflächen von anderen ökologischen Feldern umgeben sind, die ebenfalls den Einsatz von Pestiziden verringern“, berichtet das Team. Auf Feldern des Biolandbaus, die von anderen ökologisch bewirtschafteten Feldern umgeben sind, kommen den Ergebnissen zufolge 0,3 Prozent weniger Pestizide zum Einsatz als wenn sie von Feldern der konventionellen Landwirtschaft umgeben sind – wahrscheinlich, weil sich in diesem Fall stabilere Populationen von Nützlingen etablieren können.
Ökolandbau sorgt indirekt für mehr Pestizide
Für konventionelle Betriebe stellten Larsen und ihr Team dagegen einen gegenteiligen Effekt fest: „Je mehr ökologisch bewirtschaftete Felder in der Umgebung sind, desto höher ist der Pestizideinsatz“, erklären die Forschenden. Die Erhöhung beträgt zwar nur durchschnittlich 0,03 Prozent, doch da es bislang viel mehr konventionelle als ökologische Betriebe in Kern County gibt, überwiegt der negative Effekt. Die zwischen konventionellen Feldern verteilten Flächen des Ökolandbaus sorgen somit paradoxerweise dafür, dass insgesamt mehr Pestizide zum Einsatz kommen, als wenn alle Betriebe konventionell wirtschaften würden. Auch in Regionen, in denen statt Obst und Gemüse vor allem Getreide angebaut wird, könnten sich laut Larsen und ihren Kollegen ähnliche Effekte zeigen.





