Nilhechte kommunizieren mit verschiedenen Abfolgen elektrischer Impulse. Wie das Gehirn der Fische diese verschiedenen Sprachmuster steuert, haben amerikanische Biologen jetzt aufgeklärt: Durch eine Rückkopplung verhindert ein übergeordneter Gehirnbereich, dass die Tiere ständig und unkontrolliert Impulse aussenden. Das berichten die Forscher in der Fachzeitschrift Journal of Experimental Biology (Bd. 207, S. 1073).
Wenn sich gefleckte Rundnasen-Nilhechte (Brienomyrus brachyistius) miteinander unterhalten, ist das eine spannungsgeladene Angelegenheit: Sie senden schwache elektrische Impulse aus, um mit ihren Artgenossen zu kommunizieren. Jeder Fisch hat dabei im Ruhezustand seine eigene, charakteristische Stimme, die ihn von allen anderen unterscheidet. Er sendet eine Reihe von Pulsen niedriger Frequenz aus. Bei der Beobachtung von Unterhaltungen zwischen Artgenossen stellten Bruce Carlson und Carl Hopkins von der Cornell-Universität in Ithaca außerdem fest, dass die Fische zum Kommunizieren drei verschiedene Pulsmuster verwenden.
Bei den “Bogen” genannten Mustern folgen die Pulse ganz plötzlich deutlich schneller aufeinander und gehen anschließend wieder in das Ruhemuster über. Ein anderes, “Beschleunigung” genanntes Muster besteht aus immer schneller hintereinanderfolgenden Pulsen, während das dritte, “Raspel” genannte Muster, eine Mischung aus “Bogen” und “Beschleunigung” ist. Bei der Untersuchung, wie die Fische ihre elektrische Stimme regulieren, stießen die Forscher auf eine ungewöhnliche Zusammenarbeit verschiedener Gehirnzentren: Die Befehle für “Bogen” und “Beschleunigung” kommen von zwei verschiedenen Hirnarealen, die ihre Befehle wiederum von einem dritten, übergeordneten Gehirnbereich erhalten.
Dieses Oberbefehlszentrum sendet nicht ? wie üblich ? Anweisungen dafür, dass die Steuerungsareale aktiv werden sollen. Vielmehr unterdrückt es im Ruhezustand ständig die Aktivität der beiden Steuerungszentren und lockert diese Blockade erst dann, wenn die Tiere kommunizieren. Durch diese ungewöhnliche Regulation könne ein einziger Gehirnbereich die gesamte Kommunikation steuern, schreiben die Forscher.
ddp/bdw ? Ilka Lehnen-Beyel





