Multiresistente Bakterien können auch ganz ohne menschliches Zutun auftauchen: Wachsen Salmonellen in Gegenwart von E. coli-Bakterien, die natürlicherweise ein toxisches Peptid ausscheiden, entwickeln sie eine Resistenz gegen verschiedene Antibiotika. Über diese Entdeckung berichten amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt Applied and Environmental Microbiology.
Viele Mikroorganismen setzen antibiotisch wirkende, das heißt das Wachstum anderer Mikroben hemmende Substanzen frei. Dadurch verschaffen sie sich einen Vorteil gegenüber Konkurrenten, die den gleichen Standort besiedeln. Wissenschaftler der University of Iowa arbeiteten mit einem E. coli-Stamm, der Harnwegsinfektionen verursacht. Diese Bakterien scheiden ein Peptid aus, das Microcin 24, das auf andere Bakterien toxisch wirkt. Die Forscher wollten untersuchen, ob Salmonellen unter dem Einfluss dieses Wirkstoffs eine Resistenz dagegen entwickeln können. Überraschenderweise erwiesen sich die entstandenen Microcin-resistenten Salmonellen als multiresistent, das heißt sie waren gleichzeitig gegen verschiedene andere Antibiotika unempfindlich geworden.
Bisher galt als Ursache für die Entstehung multiresistenter Bakterien der übermäßige Einsatz von Antibiotika durch den Menschen. Unter natürlichen Bedingungen, so hatte man geglaubt, würden keine Mehrfachresistenzen entstehen, da sie für die Mikroben nicht von Vorteil wären. Bakterien, die gegen mehrere Antibiotika resistent geworden sind, stellen ein wachsendes Problem für die Bekämpfung von Krankheitserregern dar.
Joachim Czichos





