Ameisen machen sich ihre Haustiere mit einem chemischen Trick gefügig: Sie sondern eine Substanz ab, die Blattläuse zu langsameren Bewegungen zwingt. Das konnten britische Wissenschaftler in Laborexperimenten zeigen. Auf diese Weise halten die Ameisen die Läuse in der Nähe ihres Nestes fest und stellen damit sicher, dass ihnen immer der von den Läusen produzierte und ausgeschiedene Honigtau zur Verfügung steht.
Bereits 1960 bemerkte der Biologe El-Ziady, dass die Anwesenheit von Ameisen die Beweglichkeit von Blattläusen bremst ? ein Phänomen, das jedoch seitdem unverstanden blieb. Um die Ursache genauer zu untersuchen, nahmen die Wissenschaftler nun Blattläuse der Art Schwarze Bohnenlaus (Aphis fabae) unter verschiedenen Bedingungen mit einer Videokamera auf. Die Läuse wurden jeweils auf ein Stückchen Filterpapier gesetzt. Dieses war entweder unbehandelt, oder es waren zuvor Arbeiterinnen der Ameisenart Schwarze Gartenameise (Lasius niger) darüber gelaufen und hatten dabei einen chemischen Stoff abgesondert. In einem dritten Ansatz wurden Blattläuse und Ameisen gemeinsam auf das Filterpapier gesetzt.
Außerdem setzten die Forscher die Blattläuse auf ein abgestorbenes Blatt. Solche Unterlagen verlassen die Tiere normalerweise möglichst schnell, da sie sich nicht als Futterquelle eignen. Mit diesem Versuch wollten die Forscher testen, ob sich die Geschwindigkeit, mit der die Blattläuse zum Blattrand laufen, in Anwesenheit von Ameisen verändert.
Die Auswertungen ergaben, dass sich die Blattläuse in Anwesenheit der Chemikalie deutlich langsamer bewegten, unabhängig davon, ob sich tatsächlich Ameisen in der Nähe befanden oder nicht. Auch von einem als Futterquelle ungeeigneten Blatt entfernten sich die Blattläuse in Anwesenheit der Ameisen langsamer. Mit Hilfe der Chemikalie scheinen die Ameisen die Blattlauskolonien besser kontrollieren zu können, schließen die Forscher. Aus früheren Versuchen ist bekannt, dass Ameisen beispielsweise den Läusen die Flügel abbeißen oder das Flügelwachstum durch bestimmte Stoffe hemmen, um die Kolonien in der Nähe ihres Nestes zu halten. Gleichzeitig schützen sie die Blattläuse vor deren Fressfeinden wie Marienkäfern oder Schwebefliegenlarven.
Thomas Oliver (Imperial College, London) et al.: Proceedings of the Royal Society B, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2007.1251 ddp/wissenschaft.de ? Tobias Becker





