In der dritten Gruppe war das Gegenteil der Fall: Hier wurden alle richtig aufgesagten Vokabeln aus den Tests, nicht aber von der Liste gestrichen. Die vierte Gruppe sollte schließlich die normalen Schulbedingungen widerspiegeln, in denen einmal korrekt vorgetragene Wörter nicht weiter gelernt oder getestet werden. Nach dieser ersten Phase warteten die Forscher eine Woche und fragten dann in einem letzten Test die gesamte Liste nochmals ab.
Das Ergebnis erstaunte die Psychologen: Gruppen drei und vier, die über den Versuchzeitraum konstant gelernt hatten, erinnerten sich an durchschnittlich 33 bis 36 Prozent, wobei die Teilnehmer der “Schulbedingungsgruppe” am schlechtesten abschnitten. Die Probanden, die wiederholt Tests abgelegt hatten, konnten dagegen meist 80 Prozent der Wörter oder mehr korrekt wiedergeben. Dabei schnitten diejenigen, die nur abgefragt wurden, ohne die Wörter nochmals zu lernen, ebenso gut ab wie die weiterhin Lernenden.
Karpicke und Roediger schließen daraus, dass der Test von Gelerntem bei weitem nicht nur ein Maß für erfolgreiches Lernen, sondern selbst die beste Lernmethode ist. Um einmal Gelerntes erfolgreich im Langzeitgedächtnis zu verankern, folgern die Psychologen, ist der mehrfache Abruf viel wichtiger als das Einprägen der Daten. Auf diese Weise könne das langfristige Erinnerungsvermögen um 150 Prozent gesteigert werden.





