Wo einst nur Mond und Sterne schimmerten, machen Straßenlaternen, Scheinwerfer und andere Lichtquellen die Nacht zum Tage. Aus zahlreichen Studien ist bereits bekannt, dass diese unnatürliche Helligkeit viele Tiere negativ beeinflusst: Sie werden von den nächtlichen Lichtquellen angelockt oder abgestoßen und die Beleuchtung kann ihren Lebensrhythmus durcheinander bringen. Besonders für Insekten ist die Lichtverschmutzung problematisch – sie gilt deshalb auch als ein Faktor für die teils drastischen Rückgänge von Beständen.
Von wegen blind
Es mag überraschend wirken, dass auch Fledermäuse von Lichtverschmutzung betroffen sind, da sie für ihre Orientierung per Echolot bekannt sind. Ihre kleinen Augen sind aber dennoch nicht bedeutungslos: Sie liefern den Fledermäusen wichtige zusätzliche Informationen aus der Umwelt und sind dazu besonders lichtempfindlich. Wie Studien der letzten Jahre gezeigt haben, kann Kunstlicht Fledermäuse deshalb ebenfalls erheblich stören. Allerdings zeichnete sich dabei bereits ab, dass es deutliche Unterschiede zwischen den Vertretern dieser artenreichen Tiergruppe gibt. Um einen Überblick zu erhalten und Muster der Empfindlichkeit aufzuzeigen, haben die Forscher um Christian Voigt vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin (IZW) nun Studien zu europäischen Fledermausarten systematisch ausgewertet: Sie suchten in den Daten nach Hinweisen auf die Reaktionen gegenüber nächtlichem Kunstlicht.
Bei der Auswertung folgten sie der üblichen Einteilung der etwa 50 europäischen Spezies in drei Gruppen mit einer ähnlichen Lebensweise: Eine Abteilung ist dabei an die Insektenjagd in dichter Vegetation angepasst. Eine weitere Gruppe ist hingegen typischerweise an Strukturübergängen unterwegs – beispielsweise an Gebäuden oder an Waldrändern. Eine dritte Gruppe fängt ihre Beute im offenen Luftraum über Feldern, Gewässern oder oberhalb der Baumkronen. Die Fledermäuse dieser drei Kategorien haben für ihr jeweiliges Jagdverhalten ähnliche Merkmale und Verhaltensweisen entwickelt, erklären die Forscher.
Empfindlichkeiten im Blick
Wie sie berichten, zeichneten sich in den Auswertungen grundlegende sowie spezielle Muster der Reaktionen auf Kunstlicht ab: „Prinzipiell wird deutlich, dass alle europäischen Fledermausarten sehr sensibel auf künstliches Licht reagieren können, vor allem in der Nähe von Tagesquartieren und Trinkstellen“, sagt Voigt. Wie er erklärt, lässt sich dies damit erklären, dass Fledermäuse nicht nur Jäger, sondern auch Gejagte sind: „Die Anwesenheit von Fledermäusen an diesen Stellen ist für Beutegreifer wie Eulen vorhersagbar und die Fledermäuse sind daher dort besonders vorsichtig“, so der Wissenschaftler. Deshalb verunsichert Kunstlicht die Tiere in diesen Bereichen offenbar in grundlegender Weise.





