Am 23.Dezember 2012 ist es aus und vorbei mit der Welt. Diese apokalyptische Prognose wollen selbst ernannte Propheten unserer Tage dem Maya-Kalender entnommen haben. Zwar gibt es für diese Interpretation keine Belege, doch die Zeitrechnung der vergangenen Hochkultur reichte tatsächlich bis in unser angebrochenes Jahrtausend. So weit die Maya ihrer Zeit vorausdachten, so bescheiden war offenbar ihr Fähigkeit, ihren unmittelbar bevorstehenden Abstieg zu erkennen – oder besser noch: abzuwenden.
Seit Jahrzehnten sind Riegen von Wissenschaftlern dem Verschwinden der Maya auf der Spur. Doch mit Sicherheit lässt sich heute nur eines sagen: Es waren, wie so häufig, mehrere Faktoren, die die hochentwickelte Kultur mit Schrift, Kalendarium und imposanter Architektur untergehen ließ – und das nicht auf einen Schlag.
„Es gab nicht den einen Kollaps, sondern zwei aufeinanderfolgende Tiefschläge, von denen sich die Kultur nie ganz erholte”, erläutert Nikolai Grube, Maya-Experte und Professor für Altamerikanistik und Ethnologie an der Universität Bonn. Anzeichen für den ersten Schlag gab es schon früh: „Bereits ab 760 nach Christus ging der Einfluss des herrschenden Gottkönigtums mit all seinen Palästen, Denkmälern und Traditionen samt innerer machtpolitischer Struktur zurück – und endete um 910 abrupt. Dadurch wurden die vielen kleinen Staaten fragil und angreifbar.”
Was die Macht der Könige schwächte, war ein ständiges Kräftemessen der rivalisierenden Stadtstaaten Tikal und Calakmul mit heftigen kriegerischen Auseinandersetzungen. Das bestätigt unter anderem eine 2002 entdeckte Hieroglyphen-Inschrift an einer Pyramide in Dos Pilas im nördlichen Guatemala. „Lange Zeit herrschte im Tiefland der Halbinsel Yucatán ein Gleichgewicht des Schreckens, vergleichbar mit dem Warschauer Pakt und der Nato”, erklärt Grube. Als es Tikal gelang, nacheinander zwei Könige von Calakmul zu töten, wurde die Herrschaft der Stadtstaaten endgültig gebrochen. Denn Tikal glückte es nicht, die bis dahin von Calakmul beherrschten Kleinstaaten in seinen Machtbereich einzubinden.
Der zweite Tiefschlag war ökologischer Natur. Ab 600 nach Christus gab es eine regelrechte Bevölkerungsexplosion. Die Zahl der Bewohner des Maya-Gebiets lag zum Höhepunkt der klassischen Periode (300 bis 900 nach Christus) irgendwo zwischen 3 und 14 Millionen. Der starke Zuwachs führte dazu, dass jeder Winkel der Region besiedelt war und für die Landwirtschaft genutzt wurde.
Das hatte eine enorme Belastung des Ökosystems mit gerodeten Wäldern, ausgelaugten Böden und starker Erosion zur Folge. Und es gab keine politische Autorität mehr, die die Verteilung der verbleibenden Ressourcen regelte oder den Bau von überlebensnotwendigen Zisternen und Bewässerungskanälen veranlasste.
„Nachdem die übergeordneten Machtstrukturen der Stadtstaaten verschwunden waren, ernannten sich manche kurzerhand zu Kleinkönigen und stellten ihren Pomp und ihre Unabhängigkeit zur Schau. Es kam zu lokalen Konflikten und Kriegen”, rekonstruiert Nikolai Grube anhand erhaltener Schriften sowie Verteidigungsanlagen, Mauern und Palisaden aus dem 8. Jahrhundert.
In Zeiten wirtschaftlicher und politischer Schwäche trafen klimatische Veränderungen im 9. Jahrhundert dann doppelt hart. Um genaue Klimadaten zu erhalten, untersuchte Gerald Haug, Professor für Geologie am Geoforschungszentrum Potsdam, zusammen mit Forschern der ETH Zürich und US-amerikanischen Kollegen Sedimentschichten des Cariaco-Beckens im Norden Venezuelas auf ihren Titan-Gehalt. Denn der lässt darauf rückschließen, wie groß die Menge des (titanhaltigen) Wassers war, die in das Becken floss. Da die klimatischen Schwankungen dort denen auf der Halbinsel Yucatán in etwa entsprochen haben müssen, konnten die Forscher aus den Daten erkennen, wie feucht oder trocken ein Jahr im Maya-Gebiet war. Ergebnis: Um 810, 860 und 910 nach Christus gab es drei Dürreperioden, die jeweils drei bis neun Jahre andauerten.
Aktuelle Titan-Messungen am Kratersee Huguang Maar im Südosten Chinas erbrachten ähnliche Ergebnisse. Das lässt darauf schließen, dass sich der tropische Regengürtel insgesamt nach Süden verlagerte und der Monsun an beiden Küstengebieten schwächer ausfiel. Die Forscher vermuten, dass die gleiche klimatische Veränderung nicht nur das Schicksal der Maya, sondern auch das der Tang-Dynastie in China besiegelte.
Der von Krieg, Überbevölkerung, Misswirtschaft und Dürre herbeigeführte Nahrungsmangel hinterließ Spuren, die noch heute nachweisbar sind: „An menschlichen Skeletten aus der Zeit unmittelbar vor dem Kollaps lassen sich Mangelerscheinungen und Krankheiten ablesen. Die Menschen wurden auch nicht mehr so groß wie vorher und entwickelten sich schlechter”, erklärt Grube. Zudem nahm aufgrund der schlechten Versorgung die Kindersterblichkeit zu. So folgte im 9. Jahrhundert dem politischen Zusammenbruch ein demografischer: In den südlichen Niederungen starben zwischen 90 und 99 Prozent der Maya.
Von Untergang will Nikolai Grube dennoch nicht sprechen, denn die übrig gebliebene Bevölkerung erholte sich zum Teil wieder – heute leben etwa acht Millionen Nachkommen der Maya in Mittelamerika. „Das Volk gab es also auch nach der klassischen Hochphase noch. Der Staat war bloß etwas weniger grandios und schlechter politisch organisiert.” Und Grube gibt zu bedenken: „ Wir wissen bisher einfach zu wenig über die Postklassik, da die Siedlungen weniger deutlich und weniger spektakulär waren und dezentral errichtet wurden.” Die Gesellschaft war nie mehr so hierarchisch strukturiert und elaboriert wie zuvor.
Doch wieso ging die Entwicklung in der klassischen Phase dann nicht weiter? „Die politischen Strategien reichten irgendwann nicht mehr aus, um eine komplexe Gesellschaft zu lenken, und die technologischen und produktiven Grenzen waren ausgereizt”, erklärt Grube. Es brauche stets neue Ideen und Innovationen, um das Bestehen einer Zivilisation zu sichern und voranzubringen.
Mit den Maya zerbrach die fortschrittlichste Gesellschaft ihrer Zeit. Sie verfügte über landwirtschaftliche Techniken, die weit über die Brandrodung hinausgingen, und mit denen sie es über lange Zeit schaffte, eine große Bevölkerung mit Nahrungsmitteln zu versorgen. Die Menschen entwickelten ausgeklügelte Bewässerungssysteme mit Kanalnetzen und künstlichen Seen, bauten Terrassen gegen die Erosion, düngten und pflügten ihre Felder, die sie mit Mais, Bohnen und Kürbissen bewirtschafteten. Auch die beeindruckenden, teilweise drei- bis fünfstöckigen Bauten und Paläste zeugen von einer fortschrittlichen Technologie des Städtebaus, bewerkstelligt völlig ohne Lasttiere oder Rollen und Räder.
Rund 3000 Kilometer nördlich schufen etwa zur selben Zeit die Anasazi-Indianer ihrerseits die größten und höchsten Bauwerke Nordamerikas. Sie verarbeiteten Tausende Tonnen Sandstein und unzählige Holzbalken in mehrstöckigen Gebäuden. Doch diese imposanten Überreste einer verblassten Hochkultur werden Wissenschaftlern nie ganz Aufschluss darüber geben, wie die Menschen hier vor 1000 Jahren lebten und wieso sie ihren erschlossenen Lebensraum wieder aufgaben. Das Fehlen schriftlicher Zeugnisse erschwert die Suche zusätzlich.
Dennoch glückten den Wissenschaftlern im Vierländereck zwischen Utah, Colorado, Arizona und Mexiko aufschlussreiche Funde. Pflanzenreste im uralten Kot von Buschratten verrieten, dass der Chaco Canyon zum Siedlungsbeginn ein Waldgebiet mit Wacholderbüschen und Kiefern gewesen sein muss.
Allerdings wurde die Gegend, die heute völlig unbewohnt ist, bald unwirtlich: Die Bäume, die die Anasazi bereits um 1000 nach Christus abgeholzt hatten, wuchsen nur langsam nach und der Boden war schnell ausgelaugt. Obendrein waren Niederschlag und Grundwasserspiegel unkalkulierbar, was den Menschen das Leben schwer machte. Trotzdem florierte der Alltag ebenso wie bei den Maya dank ausgeklügelter Anbau- und Bewässerungssysteme über Jahrhunderte – und die Bevölkerung nahm stetig zu.
So entwickelte sich die Siedlung im Chaco Canyon mit ihren „ Great Kivas” – mehrstöckigen, raffiniert konstruierten Häusern – zu einem politisch und gesellschaftlich komplexen „ Miniatur-Kaiserreich”, wie es der Geografieprofessor Jared Diamond in seinem Buch „Kollaps” beschreibt. Das Pueblo Bonito, eines der größten Häuser aus Sandstein und tragenden Holzbalken, hatte insgesamt 600 Räume, war vermutlich nur von wenigen Priestern bewohnt und diente kultischen Zwecken.
Die wohlgenährte Elite ließ sich von der arbeitenden Landbevölkerung versorgen. Über ein gut organisiertes Transportnetz wurden von weiter entfernten Satellitensiedlungen Lebensmittel, Schmuck und Keramik ins Zentrum geliefert. Auch das Bauholz musste über Strecken von teils 80 Kilometern aus entfernten Gebirgswäldern mit menschlicher Muskelkraft herbeigeschafft werden. Wie viele Menschen im Chaco Canyon lebten, ob es mehr oder weniger als 5000 waren, darüber sind sich die Archäologen nicht einig. Doch fest steht, dass die Zahl der Bevölkerung ab 800 nach Christus stetig zunahm. Erst 1100 nach Christus lässt sich ein deutlicher Rückgang feststellen. Alle großen Bauvorhaben waren eingestellt. Dendrochronologen errechneten aus den Jahresringen von Bäumen, dass der letzte verbaute Stamm 1117 nach Christus gefällt wurde. An den Baumringen lässt sich auch ablesen, dass um 1130 nach Christus eine extreme Dürre einsetzte. „Sie ließ den Grundwasserspiegel so weit sinken, dass die Pflanzenwurzeln ihn nicht mehr erreichten, und damit kam die Landwirtschaft zum Erliegen”, resümiert Diamond.
Der Anasazi-Experte Stephen Lekson von der University of Colorado in Boulder vermutet, dass ein Machtkampf das Volk spaltete und einen Teil der Führungsriege zum Verlassen des Canyons zwang. Die beeindruckenden „Cliff Dwellings”, die Siedlungen, die fernab von Feldern und Wasser in den steilen Klippen entstanden, legen nahe, dass die Menschen sich hierher zurückzogen, um sich besser verteidigen zu können. Zudem nahm die Zahl der Abwehrmauern, Burggräben und Türme im Südwesten des Siedlungsgebiets zu – eine weitere Parallele zu den Entwicklungen bei den Maya.
Überraschend: An einer Grabungsstätte stießen Wissenschaftler auf Indizien für Kannibalismus. Sie entdeckten aufgebrochene menschliche Knochen, die behandelt worden waren wie Tierknochen, an deren Knochenmark man heran will. Auch Menschenknochen mit abgeschnittenen Enden wurden gefunden – ein Hinweis darauf, dass sie in einem Topf gekocht worden waren. Tatsächlich fand man in einem Kochtopf das menschliche Muskelprotein Myoglobin – ein Hinweis auf eine Mahlzeit aus Menschenfleisch. Und nicht nur hier, auch in getrockneten menschlichen Exkrementen wurde das Muskelprotein entdeckt – ein nahezu direkter Beweis. Die Wissenschaftler vermuten, dass der „Feind” nach einem kriegerischen Überfall verspeist wurde.
Die Bevölkerungszahl erholte sich zwar vorübergehend, doch mit dem Rückgang um 1100 nach Christus war das Ende der Anasazi-Ära da. Viele Menschen verhungerten vermutlich, andere zogen zu Pueblo-Stämmen wie den Hopi und Zuni in den Süden.
Ein weiteres Puzzleteil für die Enträtselung des Anasazi-Niedergangs fügte der Wirtschaftswissenschaftler Robert Axtell von der Brookings Institution in Washington hinzu. Er entwickelte für die Siedlung im Long House Valley westlich des Chaco Canyon anhand der jährlichen potenziellen Maisproduktion in Kilogramm und der Zahl der Haushalte im Long House Valley ein Computermodell für die Bevölkerungsentwicklung (siehe Grafik oben). Die Daten stimmen mit den tatsächlichen Lebensverhältnissen überein – bis auf die letzten Jahre. Hier zeigen die Modelldaten an, dass mit dem vorhandenen Mais noch mindestens die Hälfte der Bevölkerung bis 1450 hätte versorgt werden können. Doch die letzten Bewohner wanderten schon um 1300 ab.
Für Axtell ist das ein Beleg, dass nicht allein die schlechten Umweltbedingungen die Menschen zur Aufgabe zwangen, sondern auch gesellschaftliche Probleme wie kriegerische Auseinandersetzungen. Jared Diamond versucht die damalige Situation begreifbar zu machen: „Wie viele New Yorker würden wohl noch in New York bleiben, wenn zwei Drittel ihrer Angehörigen und Freunde gerade verhungert oder geflüchtet sind, wenn weder U-Bahnen noch Taxis fahren, wenn Büros und Geschäfte geschlossen sind?”
Generell sieht Diamond die Misserfolge historischer Zivilisationen als Warnung für die heute boomende Industriegesellschaft, etwa für den Wirtschaftsriesen China (lesen Sie dazu „Die Rückkehr des Drachen” im Anschluss). Zwar mache die Globalisierung den Kollaps einer einzelnen Kultur unwahrscheinlich, doch umso mehr sei die ganze Welt von einem Niedergang bedroht. Denn ob man zu den Maya, Anasazi oder anderen alten Kulturen schaue, immer wieder fänden sich dieselben destruktiven Faktoren: Umweltzerstörung durch Abholzung und Überwirtschaftung, Klimaschwankungen mit extremer Trockenheit und Feindseligkeiten in kompliziert verflochtenen Gesellschaften.
Doch als Optimist suchte und fand Diamond Beispiele dafür, dass sich der Mensch aus einer brenzligen Lage befreien kann. So ist die nur 4,7 Quadratkilometer große Pazifikinsel Tikopia mit der hohen Bevölkerungsdichte von 310 Menschen pro Quadratmeter Nutzfläche seit 3000 Jahren durchgängig besiedelt. Dafür müssen die Menschen auf diesem isolierten Fleckchen Erde in der Lage gewesen sein, mit zwei grundlegenden Problemen umzugehen: dauerhaft Lebensmittel für rund 1200 Bewohner zu produzieren und sich vor einem zu starken Bevölkerungswachstum zu hüten. Die Nahrungsmittelversorgung haben sie noch heute dank effektiver Landwirtschaft und geregeltem Fischfang im Griff. Die Methoden ihrer Bevölkerungskontrolle in früheren Zeiten waren allerdings brutal: Grausame Formen der Abtreibung, Kindsmord und Selbstmord, insbesondere in Form gefährlicher Seereisen, bei denen es keine Hoffnung auf Rückkehr gab. Später siedelte die britische Kolonialregierung Teile der Bevölkerung auf benachbarte Inseln um. Trotzdem gab es auf Tikopia heikle Phasen, in denen die Bewirtschaftung der Insel verändert werden musste. So entschieden sich die Menschen um 1600, alle Schweine auf der Insel zu töten, weil die Tiere immer wieder die Felder zerstörten und mit den Menschen um die Nahrung konkurrierten. Das Verhältnis von verfüttertem Gemüse zum Fleischertrag rechnete sich einfach nicht.
So drastische Maßnahmen waren nicht immer nötig. Auf Neuguinea haben viele Stämme seit 7000 Jahren eine funktionierende und hochentwickelte Landwirtschaft mit Entwässerungsgräben, Düngung und Mischkultur-Anbau. Das Problem war hier der hohe Bedarf an Holz, das zum Häuserbau sowie zum Feuermachen benötigt wurde. Um der fortschreitenden Waldzerstörung entgegenzuwirken, begannen die Menschen im Hochland, Kasuarinenbäume zu pflanzen – mittlerweile tun das viele Bewohner von Neuguinea. Diese Bäume haben nicht nur hervorragende Eigenschaften zum Bauen und Verfeuern – wie enorme Härte und gute Spaltbarkeit –, sie wachsen auch schnell nach.
Mit dem Problem übermäßiger Abholzung mussten auch die Japaner kämpfen. Sie brauchten viel Holz zum Bau von Häusern, die aber, weil sie dicht nebeneinander standen und mit Holz beheizt wurden, häufig abbrannten und wieder aufgebaut werden mussten. Zudem wurde das Baumaterial größtenteils auf Küstenschiffen transportiert, die ebenfalls aus Holz gebaut waren. Und die explosionsartig wachsende Bevölkerung benötigte immer mehr Lebensmittel, wodurch viele Waldgebiete landwirtschaftlichen Nutzflächen weichen mussten – was ein besonderes Problem war, da sich Japan seit der Mitte des 17. Jahrhunderts in einer selbst auferlegten Isolation befand und die Herrscher nur wenig Außenhandel zuließen. Der Kahlschlag löste eine Kettenreaktion von Bodenerosion, Überschwemmungen und daraus resultierenden Missernten aus, sodass es am Ende des 17. Jahrhunderts immer wieder zu schweren Hungersnöten kam.
Doch durch richtige Entscheidungen und Konsequenzen bekam die mächtige Zentralregierung in Edo, dem heutigen Tokio, die Probleme in den Griff: Unter anderem begannen die Japaner, wieder mehr Handel zu treiben und entlasteten damit die eigene Landwirtschaft. Der radikalen Abholzung wirkte man mit Baum-Plantagen zur Produktion von Bauholz entgegen und erklärte Bäume fortan zu langsam wachsenden Nutzpflanzen. In den Wäldern passten Wächter auf, dass keine Bäume illegal abgeholzt wurden. Um 1800 nahm dann nach einem langen Rückgang die Holzproduktion wieder zu.
Zwar lässt sich der Erfolg der Japaner in der Tokugawa-Zeit (1603 bis 1867) mit „Standortvorteilen” wie einer hohen Niederschlagsmenge, fruchtbarem Ascheregen aus zahlreichen Vulkanausbrüchen auf der Inselgruppe, jungen Böden und einer religiös und ethnisch einheitlichen Bevölkerung erklären. Doch Diamond betont, dass die richtigen Entscheidungen wesentlich waren. Und diese Chance sieht er für jede Gesellschaft – unabhängig davon, mit welchen Standortproblemen sie kämpfen muss.
Auch wenn es mit den großen Kulturen der Maya und Anasazi vorbei zu sein scheint: Menschen aus diesen historischen Ethnien leben bis heute – was für die Zukunft der Menschheit hoffen lässt. Zumal wir heute fortschrittlichere Technologien, ein stärkeres Problembewusstsein und ein größeres Wissen als die alten Kulturen haben. Cornelia Varwig ■
Ohne Titel
Tikopia – Insel ohne Schweine
· Gebiet: Pazifikinsel
· Siedlungszeit: seit 900 v.Chr.
· Bevölkerungszahl: etwa 1200 (max.)
· Risikofaktoren: Isolation, große Bevölkerungsdichte, beengte Landwirtschaft
· Innovation: Abschaffung von Schweinezucht und Brandrodung
COMMUNITY LESEN
Nikolai Grube (Hrsg.)
Maya – Gottkönige im Regenwald
Könemann, Köln 2006 € 29,9
Günther Stoll, Rüdiger Vaas
Spurensuche im Indianerland
Aufstieg und Niedergang der Anasazi und vieler weiterer amerikanischer Kulturen
S. Hirzel, Stuttgart 2001, € 34,80
Jared Diamond
Kollaps
Warum Gesellschaften überleben oder untergehen
Fischer, Frankfurt 2006, € 9,95
Jared Diamond
Arm und Reich
Die Schicksale menschlicher Gesellschaften
Fischer, Frankfurt 2006 € 9,95
Himmelsbeobachtungen und Astrokult bei den Anasazi:
SONNE, MOND UND INDIANER
bild der wissenschaft 3/2001, S. 50–55
Konrad Seitz
CHINA
Eine Weltmacht kehrt zurück Goldmann, München 2006
€ 11,95
Johnny Erling
SCHAUPLATZ CHINA
Aufbruch zur Supermacht
Herder, Freiburg 2006, € 9,90
Jacques Gernet
DIE CHINESISCHE WELT
Die Geschichte Chinas von den Anfängen bis zur Jetztzeit Suhrkamp, Frankfurt 1988 € 20,–
Wolfgang Hirn
HERAUSFORDERUNG CHINA
Wie der chinesische Aufstieg unser Leben verändert
Fischer, Frankfurt 2006, € 8,95
Auch bild der wissenschaft informiert immer wieder über das Thema China – etwa:
Internet-Nutzer in China contra staatliche Lenkungsversuche:
GEWIMMEL IM WANGBA
bild der wissenschaft 5/2005, S. 94–97
Der Rohstoffhunger des Reichs der Mitte:
WIE CHINA DIE STAHLBRANCHE AUFMISCHT
bild der wissenschaft 7/2005, S. 95–99
China auf dem Sprung in die Hochtechnologien:
HIGHTECH STATT RAMSCH
bild der wissenschaft 10/2006, S. 94–98
INTERNET
Chaco Digital Initiative mit archäologischen Daten zu den Anasazi im Chaco Canyon: www.chacoarchive.org
Offizielle Wirtschaftsnachrichten aus China:
de.ce.cn/home/
Institut für Asien-Studien:
www.giga-hamburg.de/
Ostasiatischer Verein:
www.oav.de/
Weblog, der englischsprachige Nachrichten über China sammelt – mit dem Schwerpunkt auf dem sozialen und politischen Wandel:
chinadigitaltimes.net/
Ohne Titel
• Ein Kollaps wurde meist durch mehrere Faktoren wie Krieg, Ausbeutung der Ressourcen und Klimawandel ausgelöst.
• Explosionsartiges Bevölkerungswachstum schwächte eine Gesellschaft oft zusätzlich.
• Mit politischen und wirtschaftlichen Innovationen retteten sich einige Kulturen aus der Krise.
Ohne Titel
Das Römische Reich: Mit Gold in den Untergang
Als der letzte Kaiser abgesetzt und aus Rom vertrieben wurde, was 476 nach Christus geschah, wurde das Reich zum Niemandsland. Zahlreiche Forscher haben sich seither mit dem Zerfall des Römischen Reiches beschäftigt und nach Gründen dafür gesucht. Wesentlich waren wohl der marode Zustand der römischen Armee, die mangelnde Verteidungsbereitschaft und das Eindringen der Germanen.
Das Heer war zu Beginn eine schlagkräftige Waffe der Römer. Zunächst kämpften darin die Bürger selbst, und der Adel stellte die Offiziere. Doch bereits unter Augustus (27 vor bis 14 nach Christus) wurden die Soldaten zunehmend aus der einfachen Bevölkerung der Grenzregionen rekrutiert, während sich die römischen Bürger lieber um die Vermehrung ihres Wohlstandes kümmerten. Das war lange kein Problem: Innen und außen herrschte Frieden. Erst mit den bürgerkriegsähnlichen Zuständen in der Soldatenkaiserzeit (235 bis 285 nach Christus) änderte sich das: Das Militär wurde aus den Randregionen am Rhein und an der Donau von den gegeneinander kämpfenden Usurpatoren und parallel regierenden Kaisern abgezogen, um die eigene Macht in Rom zu sichern. Zur gleichen Zeit drangen, im Zuge der beginnenden Völkerwanderung, immer größere Scharen so genannter Barbaren in die äußeren Gebiete des Imperiums, angelockt vom Reichtum der Römer. Überfälle häuften sich, die Bewohner flohen ins sichere Kernland des Reiches.
Erst Diokletian (284 bis 305 nach Christus) und anschließend Konstantin (306 bis 324 nach Christus) gelang es, die Grenzen vorerst wieder zu sichern. Das dafür erforderliche Großheer – das sich fast nur noch aus fremden Söldnern zusammensetzte – und ein riesiger neu installierter Verwaltungsapparat kosteten die römischen Steuerzahler enorme Summen. Der Unmut über den finanziellen Druck wuchs: Es kam zu Unruhen, und immer weniger Männer waren bereit, Kriegsdienst zu leisten. Bald stellten germanische Söldner nicht mehr nur einfache Soldaten, sondern besetzten auch Offiziersränge und konnten sogar bis in die oberste Führungsebene (magister militum) aufsteigen.
Die feindlichen Angreifer versuchte der Kaiser mit Goldzahlungen vom Eindringen in das Reich abzuhalten. Doch das funktionierte gegen Ende des 4. Jahrhunderts nicht mehr: Mithilfe des Goldes hatten sich die Germanen immer bessere Waffen angeschafft und besiegten nun die bisher überlegenen römischen Truppen, drangen ins Kerngebiet und sogar bis nach Rom vor.
Die Strategie, sich mit Zahlungen an die Söldner und Angreifer an der Macht zu halten, wurde den römischen Kaisern zum Verhängnis: Der letzte von ihnen, Romulus Augustulus, wurde am 4. September 476 vom germanischen Heerführer Odoakar in die Verbannung geschickt. Wie Machiavelli später schrieb: „Gold genügt nicht, um gute Soldaten zu haben, aber gute Soldaten genügen, um das Gold zu holen.” Stefanie Wiese
Ohne Titel
Anasazi – Indianer auf dem Trockenen
· Gebiet: Chaco Canyon, Südwesten USA
· Siedlungszeit: 700 bis 1300 n.Chr.
· Bevölkerungszahl: zwischen 1500 und 5000
· Risikofaktoren: Überbevölkerung, Trockenheit, Waldzerstörung, Kriege
Ohne Titel
Japan – Heilung Dank Holz und Handel
· Gebiet: Japan
· Zeitraum: 1603 bis 1867 n.Chr. (Tokugawazeit)
· Bevölkerungszahl: etwa 30 Mio. (max.)
· Risikofaktoren: Abholzung, Isolation
· Innovation: Forstwirtschaft, Handel
Ohne Titel
Maya – sturz ins bodenlose
· Gebiet: Südmexiko, Guatemala, Belize
· Zeitraum: 300 v. bis 1500 n.Chr.
· Bevölkerungszahl: 3 bis 14 Mio. (max.)
· Risikofaktoren: politisches Versagen, Überbevölkerung, Misswirtschaft, Waldzerstörung, Dürren
Ohne Titel
Neuguinea – Bäume des Lebens
· Gebiet: Hochland von Neuguinea
· Siedlungszeit: seit 30 000 Jahren
· Bevölkerungszahl: 7 Mio. (in Neuguinea)
· Risikofaktoren: Waldzerstörung, Überbevölkerung
· Innovation: Wiederaufforstung





