Die letzte Eiszeit hat die Entwicklung vieler Landschaften und auch die Lebenswelt unserer Breiten entscheidend geprägt. Gleichzeitig ist sie die jüngste der vielen Vergletscherungen, die unser Planet im Laufe der Erdgeschichte durchlebt hat. “Das letzte glaziale Maximum ist eine der bestuntersuchten paläoklimatischen Zeitperioden, denn es bietet exzellente Möglichkeiten zu untersuchen, wie das Klimasystem auf Veränderungen der Kryosphäre und der Treibhausgase reagiert”, sagen Jessica Tierney von der University of Arizona in Tuscon und ihre Kollegen. Gleichzeitig jedoch ist das Klima dieser Phase nur schwer genauer zu bestimmen. Denn Wissenschaftler können nur indirekt, über fossile oder geochemische “Zeitzeugen”, auf die Bedingungen zur damaligen Zeit schließen. Aufschluss geben beispielweise marine Mikrofossilien wie Foraminiferen, Kieselalgen oder Radiolarien, deren Artenspektrum Rückschlüsse auf die Meerestemperaturen erlauben. Auch die Isotopenwerte ihrer Schalen können Rückschlüsse auf die Klimaverhältnisse ermöglichen.
Im Mittel war es sechs Grad kühler
Doch solche “Zeitzeugen” sind nicht in allen Regionen vorhanden und ihre Auswertung birgt große Unsicherheiten, wie die Forscher erklären. Als Folge ist auch die Spannbreite der Schätzwerte für die Eiszeittemperaturen groß: Sie reicht von nur 1,7 Grad weniger als im Mittel des nacheiszeitlichen Holozäns bis zu acht Grad weniger. Um diese Spanne einzugrenzen, haben Tierney und ihr Team nun zusätzlich vier verschiedene geochemische Anzeiger ausgewertet, darunter das Verhältnis von Magnesium zu Calcium in fossilem Plankton, den Gehalt bestimmter Kohlenwasserstoffe und das Sauerstoffisotop 18-O. Gut 1700 solcher Daten für verschiedene Standorte speisten sie in ein Klima-Ozean-Modell ein, das die detaillierte Rekonstruktion der Meeres- und Landtemperaturen während der letzten Eiszeit ermöglichte. Demnach sank die Mitteltemperatur die Meere um 2,4 bis 2,9 Grad, der Mittelwert lag 3,1 Grad niedriger als im Holozän. “Diese Spanne ist enger als die von den früheren Modellen, die von minus 2,7 bis minus 4 Grad reichte”, so die Forscher.
Für das globale Mittel der Lufttemperatur ermittelten Tierney und ihr Team, dass es auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit 6,1 Grad kühler war als im Großteil des Holozäns. “Nach unseren alltäglichen Maßstäben klingt das nicht nach viel, aber tatsächlich ist das eine enorme Veränderung”, sagt Tierney. Berücksichtigt man, dass die globale Mitteltemperatur heute auch nur bei 14 bis 15 Grad liegt, sind sechs Grad weniger eine drastische Abkühlung. Gleichzeitig stimmt dieser Wert gut mit früheren Studien überein, grenzt die Unsicherheiten aber stärker ein, so die Forscher. Denn das von ihnen ermittelte Konfidenzintervall, das 95 Prozent der Werte umfasst, liegt zwischen 5,7 bis 6,5 Gad.





