Um ins Gehirn einwandern zu können, müssen Immunzellen zwei unterschiedliche Barrieren überschreiten, berichteten Wissenschaftler des Nikolaus Fiebiger Center for Molecular Medicine in Erlangen. Die in der Fachzeitschrift The Journal of Cell Biology veröffentlichten Ergebnisse geben einen Hinweis darauf, wie Entzündungen im Gehirn entstehen, die etwa bei Multipler Sklerose auftreten.
Bei beiden Hindernissen, auf die wandernde Immunzellen auf ihrer Reise ins Gehirn treffen, handelt es sich um so genannte Basalmembranen. Die erste Hürde besteht aus glatten Muskelzellen, die beispielsweise Blutgefäße auskleiden. Die zweite wird aus Gehirnzellen gebildet. Wie Lydia Sorokin und ihre Kollegen herausfanden, enthält die Muskelzellenmembran zwei unterschiedliche Proteine: Lamin 8 und Lamin 10.
Doch eines dieser beiden Eiweiße hält die Immunzellen in der Membran fest und lässt sie nicht passieren. Denn die Zellen des Immunsystems überwinden nur Membranen, denen Lamin 10 fehlt. Ist es anwesend, bleiben die Zellen kleben. Im Gegensatz zu seinem klebrigen Partner bindet Lamin 8 zwar auch, aber nur so stark, dass die Zellen etwas haben, wogegen sie drücken können. Die Bindung ist nicht stark genug, um sie zurückzuhalten.
Die zweite Hürde überwinden sie auf eine ganz andere Art. Statt an Lamin zu binden, schießen die Immunzellen sich den Weg frei. Mit speziellen Enzymen, den so genannten Metalloproteinasen, durchlöchern sie die Basalmembran. Das Endresultat ist eine Entzündungsreaktion im Gehirn. Die Forscher hoffen nun, den Entzündungsprozess verlangsamen zu können und dadurch unter anderem den Abbau der schützenden Hüllen um die Nervenzellen zu verhindern, der bei Multipler Sklerose auftritt.
Dr. Dagmar Knopf





