Lange Zeit hatte der Mensch die wildlebenden Wölfe getötet und aus Deutschland vertrieben. Vor rund 25 Jahren kehrten die ersten Wölfe dann zurück und besetzten erfolgreich neue Territorien. Seitdem breiten sie sich zur Freude von Naturschützern zunehmend wieder aus. Der letzten Erhebung von Ende 2023 zufolge leben derzeit 184 Wolfsrudel, 47 Paare und 22 Einzeltiere in Deutschland, überwiegend in den norddeutschen Bundesländern. Das gefällt aber nicht allen und immer wieder kommt es zu Konflikten zwischen Menschen und Tieren. Vor allem für Landwirte und Halter von Weidetieren birgt das Zusammenleben Herausforderungen, wenn die Wölfe Schafe oder andere Nutztiere töten. Denn der Abschuss der Raubtiere ist aus Artenschutzgründen meist verboten. Doch wie bedrohlich sind die Wölfe in Deutschland wirklich und wie geht es den Rudeln?

Was tote Wölfe über die lebenden Rudel aussagen
Um das herauszufinden, untersuchen Forschende vom Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) im Forschungsverbund Berlin und vom Senckenberg Museum für Naturkunde Görlitz (SMNG) seit 2006 die in Deutschland tot aufgefundenen Wölfe. Dabei analysieren sie unter anderem, woran das Tier jeweils gestorben ist, wie gesund und wie alt es war und was es zuletzt gefressen hatte. Dieses „Totfundmonitoring“ gibt den Pathologen auch Hinweise auf den Gesundheitszustand der Wolfspopulationen. Während anfangs nur wenige Tiere gefunden wurden, landet mittlerweile jährlich eine dreistellige Zahl an Wölfen auf dem Seziertisch, wie die Wildtierpathologen berichten. „Diese Zahlen allein zeigen, dass die Rückkehr der Wölfe aus ökologischer Perspektive eine Erfolgsgeschichte ist“, sagt Heribert Hofer vom Leibniz-IZW. „Die vielen Totfunde aus den verschiedensten Teilen Deutschlands zeugen davon, dass vielerorts Wolfsterritorien bestehen.“
Kürzlich haben die Forschenden den 1000. Wolf untersucht: Die Wölfin war trächtig mit sechs Welpen. Auch dieser Fund stehe sinnbildlich für die erfolgreiche Reproduktion der Tiere, so Hofer. Diese Wölfin starb der Obduktion zufolge bei einem Verkehrsunfall – die häufigste unnatürliche Todesursache für Wölfe in Deutschland. „Unsere Daten zeigen, dass rund drei Viertel der toten Wölfe an einer Kollision im Verkehr sterben – zumeist mit Autos auf Landstraßen oder Autobahnen“, sagt Claudia Szentiks vom Leibniz-IZW. Weil die Territorien der Wölfe von zahlreichen Straßen und Bahntrassen durchzogen sind, müssen die Tiere sie quasi täglich überqueren. Besonders häufig sterben dabei junge Wölfe, die auf der Suche nach einem eigenen Territorium durch für sie unbekannte Gebiete ziehen, so die Forschenden.





