Zweimal im Jahr ziehen hierzulande Milliarden Singvögel von ihren Brut- zu ihren Überwinterungsgebieten und andersherum. Um auf dieser langen, gefährlichen Reise Raubvögeln zu entgehen, fliegen einige Vögel bevorzugt nachts. Doch selbst im vermeintlichen Schutz der Dunkelheit sind die Reisenden nicht sicher. Wie Kotreste belegen, haben mindestens drei große europäische Fledermausarten die nächtlichen Vogelschwärme als Nahrungsquelle für sich entdeckt. Wie genau sie bei der Jagd vorgehen, war bislang allerdings ein großes Rätsel.
Verfolgungsjagden im Nachthimmel
Da die Fledermäuse nachts jagen, ist es unmöglich, die Jagd zu filmen. Und auch abenteuerlichere Methoden wie Überwachungskameras an Schlafplätzen, Militärradar, Ultraschallrekorder an Heißluftballons und GPS-Tracker lieferten in den vergangenen Jahrzehnten keine nennenswerten Einblicke. Erst jetzt ist es Forschenden um Laura Stidsholt von der Universität Aarhus gelungen, „live“ bei einer nächtlichen Singvogeljagd der Fledermäuse dabei zu sein – und zwar mit der Hilfe ultraleichter Biologger, die sie wie winzige Rucksäcke an dem Rücken von 14 Riesenabendseglern (Nyctalus lasiopterus) angebracht hatten. Mit einer Flügelspannweite von fast einem halben Meter sind diese Flugkünstler die größten Fledermäuse Europas.

Indem die Biologger Höhe, Bewegung und Echoortung ihrer Träger aufzeichneten, konnten Stidsholt und ihr Team das Jagdverhalten der Riesenabendseglerselbst in völliger Dunkelheit verfolgen. Insgesamt enthüllten die Messungen zwei nächtliche Angriffe auf Singvögel: einen abgebrochenen und einen erfolgreichen. In beiden Fällen stiegen die Fledermäuse zunächst über 400 Meter hoch, bevor sie ihre Beute schließlich per Echoortung entdeckten und dann wie ein Kampfflugzeug senkrecht und bis zu 176 Sekunden lang auf sie herabstürzten. Dabei schlugen die Raubtiere deutlich schneller und kräftiger mit den Flügeln als beim Aufstieg und setzten insgesamt über 40 Echoortungssignale in kurzen Abständen ab – ein Hinweis auf eine intensive, zielgerichtete Verfolgung.





