Im sogenannten Montreal-Protokoll haben die Vereinten Nationen ab 1987 bestimmte in Sprühdosen und Kühlschränken verwendete chemische Substanzen verboten, die nachweislich die Ozonschicht der Erde schädigen, insbesondere die langlebigen Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW). Messdaten zeigten seither, dass sich die stratosphärische Ozonschicht langsam erholt. Der vor allem im Frühjahr über der Antarktis auftretende Ozonschwund hat seit 2001 nachgelassen, insbesondere zu Frühlingsanfang, in der langfristigen Tendenz wurde das Ozonloch immer kleiner. Allerdings beeinflussen auch Schwankungen des lokalen Klimas und der atmosphärischen Strömungen, wie stark sich das antarktische Ozonloch jährlich ausprägt.
Doch keine Erholung der Ozonschicht in der Antarktis?
Ein Forschungsteam um Hannah Kessenich von der University of Otago in Neuseeland hat die Entwicklung des antarktischen Ozons nun genauer untersucht. Dafür verglichen sie die täglichen und monatlichen Zuwächse beziehungsweise Abnahmen der Ozondichte in der Zeit zwischen 2001 und 2022. Für die Frühlingsmonate September bis November verglichen die Forschenden auch die Ozonmenge in verschiedenen Schichten der Stratosphäre.
Ihre Analyse ergab, dass sich das Ozon in der Antarktis seit 2001 offenbar nicht so gut erholt hat wie zuvor berichtet und prognostiziert. Im Gegenteil: Seit 2004 hat die Ozonmenge in der mittleren Stratosphäre über der Antarktis kontinuierlich abgenommen, in der Mitte des Ozonlochs insgesamt um 26 Prozent, wie Kessenich und ihre Kollegen berichten. Vor allem in den vergangenen drei Jahren hat der stratosphärische Ozonschwund über der Antarktis zudem bedenkliche Ausmaße angenommen. Jeweils im Frühlingsmonat Oktober trat ein großes und besonders langlebiges Ozonloch auf. „Das Loch ist im größten Teil des Frühlings nicht nur flächenmäßig größer, sondern auch tiefer“, berichtet Kessenich. Außerdem beobachteten die Forschenden, dass das Ozonloch später auftrat und sich später wieder schloss als in vorangegangenen Jahren. Und auch für 2023 zeugen vorläufige Daten von einem besonders großen Ozonloch über der Antarktis, sogar „größer als in den vergangenen drei Jahren“.
Um diese Beobachtungen einzuordnen, werteten die Forschenden auch Satellitenaufnahmen aus. Basierend darauf vermuten sie, dass die langlebigen Ozonlöcher der letzten Jahre nicht nur durch FCKW, sondern auch durch komplexe Veränderungen in der darüberliegenden Atmosphärenschicht, der Mesosphäre, verursacht wurden. Demnach trägt eine veränderte Zusammensetzung der abfallenden Luft zumindest zu den jüngeren, hartnäckigen und großen Ozonlöchern in der Antarktis bei. „Die meisten großen Veröffentlichungen über die Ozonschicht in den letzten Jahren haben in der Öffentlichkeit den Eindruck erweckt, dass das ‚Ozonproblem‘ gelöst sei“, sagt Kessenich. Doch obwohl das FCKW-Verbot enorm geholfen habe, könnten das Ausmaß und die Ursachen des Ozonverlusts komplexer sein als gedacht, berichten die Forschenden.





