“Wenn ein Schmetterling in Brasilien mit seinen Flügeln flattert, dann kann das einen Wirbelsturm in New York auslösen.” Das ist der Merksatz, den sich der Mathematiker Edward Lorenz für seine Chaostheorie ausgedacht hat.
Mit welchen Kräften sich das Insekt tatsächlich in der Luft hält, konnten nun erstmals japanische Forscher mit winzigen Drucksensoren messen. “Wir haben bei acht Schmetterlingen die Druckverteilung an vier Stellen der Flügel während des Startens gemessen”, erklären die Forscher. Der Sensor selbst bestand aus einem piezoeletrischen Modul. Während eines Flügelschlags wird dieses Modul gedehnt oder gestaucht und erzeugt dabei elektrische Spannungen. Aus diesen Messwerten konnten die Forscher auf den Druck, den ein Flügel aufbauen kann, zurückschließen.
Am Vorderflügel erzeugten die Schmetterlinge den höchsten Druck mit bis zu zehn Pascal. In der Mitte der Flügel halbierte sich dieser Wert und sank sogar auf etwa zwei Pascal am hinteren Flügelende ab. Zum Vergleich: Ein solcher Druck entsteht etwa, wenn ein Pfefferkorn auf einer Briefmarke liegt. So übersteigt mit höchstens zehn Pascal der aerodynamische Druck die Flächenbelastung auf den Schmetterlingsflügel um das Zehnfache.
Als Testinsekten wählten Takahashi und Kollegen Schmetterlinge der Art Papilio protenor, da diese sich durch eine große Flügelspannweite bei einem relativ großen Körpergewicht auszeichnen. Der mit Elektronik und Kontakten nur 4,5 Milligramm leichte Sensor machte bei dieser Spezies etwa zehn 10 Prozent des Flügelgewichts aus. So wurden die Schmetterlingen während ihrer Flugmanöver nur wenig eingeschränkt.
Wie sich diese geringen Drücke zu einem Hurrikan aufschaukeln können, können die Forscher jedoch nicht beantworten. Aber für die Entwicklung von kleinen, autonomen Flugroboter, die derzeit nach dem Vorbild von Insekten konzipiert werden, können diese Messungen wichtige Erkenntnisse liefern.





