Die griechische Inselgruppe um Santorini im östlichen Mittelmeer ist in ihrer heutigen Form vor rund 3.600 Jahren durch eine gewaltige Vulkaneruption entstanden. Seither bilden die Inseln den Rand der vulkanischen Caldera. Zu ihr gehört auch der noch aktive Unterwasservulkan Kolumbo, der etwa sieben Kilometer neben Santorini liegt, sowie ein historisch weniger aktiver Vulkan direkt unter Santorini. Die umliegende Region wird als Hellenischer Vulkanbogen bezeichnet und ist ebenfalls hoch aktiv, weil dort die Afrikanische Platte gegen die Hellenische Platte drückt und mehrere geologische Bruchzonen bildet. Von diesen Plattenbewegungen zeugen regelmäßige Erdbeben in der Gegend.

Zuletzt kam es im Januar 2025 zu einem regelrechten Erdbebenschwarm in genau dieser Region, bei dem tausende Menschen von den Inseln evakuiert wurden. Während dieser seismischen Krise wurden mehr als 28.000 Erdbeben registriert. Die stärksten von ihnen erreichten Magnituden von mehr als 5,0. Unklar war jedoch zunächst, ob die Ursachen überwiegend tektonischer oder vulkanischer Natur waren.
Magmaaufstieg löste Erdbebenschwarm aus
Forschende um Marius Isken vom GFZ Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam haben nun näher untersucht, wie es zu den Schwarmeben kam. Dafür werteten sie Daten von Satelliten aus, von Erdbeben- und GPS-Stationen an Land sowie von Sensoren, die am Krater des Unterwasservulkans Kolumbo am Meeresboden platziert wurden. Diese Unterwasser-Sensoren maßen seismische Signale und Druckveränderung am Meeresboden. Mithilfe von künstlicher Intelligenz ermittelten die Geologen daraus, wo genau die Erdbeben auftraten und was dabei im Detail im Untergrund passierte. So rekonstruierten sie den zeitlichen und räumlichen Ablauf der Ereignisse.
Diese Modellierungen ergaben, dass die seismische Krise vulkanischer Natur war. Dabei stiegen insgesamt etwa 300 Millionen Kubikmeter flüssiges Magma aus der tiefen Erdkruste auf und kamen rund vier Kilometer unter dem Ozeanboden zum Erliegen. Bei diesem Transport durch die Erdkruste, der bereits im Juli 2024 begann, füllte das Magma zunächst ein flaches Reservoir unter Santorini. Dabei erzeugte das sich verlagernde Magma ab September erste seismische Schwingungen und Erdbeben. Diese Aktivität verstärkte sich Anfang Januar 2025. Ab dem 27. Januar stieg dann plötzlich weiteres Magma aus der Tiefe auf und löste den intensiven Erdbebenschwarm aus, der über 30 Tage andauerte, wie die Geophysiker berichten.





