Ob ein Mensch gut mit einem traumatischen Erlebnis fertig werden kann, hängt mit der Größe einer bestimmten Hirnregion zusammen: Menschen mit einem besonders großen so genannten ventromedialen präfrontalen Cortex (vmPFC) haben eine sehr ausgeprägte Fähigkeit, die Erinnerung an eine angstvolle Situation auszulöschen. Das haben amerikanische Forscher in Experimenten mit 14 Freiwilligen nachgewiesen.
Nach einem traumatischen Erlebnis leiden viele Menschen unter stetig wiederkehrenden Ängsten, die oft durch Situationen ausgelöst werden, die sie an das Schreckenserlebnis erinnern. So gibt es ehemalige Soldaten, denen das Knattern eines Hubschraubers immer wieder dasselbe Kriegserlebnis in Erinnerung ruft, oder Opfer von Verkehrsunfällen, die durch das Quietschen eines Reifens in die Situation ihres Unfalls zurückversetzt werden. Solche oft geradezu zwanghaften Verknüpfungen verblassen bei den meisten Menschen nach und nach, da der Betroffene lernt, dass ein Hubschrauber nicht unbedingt Krieg und Gefahr bedeuten muss oder ein quietschender Reifen nicht immer mit Lebensgefahr einhergeht. Diese Fähigkeit bezeichnen Psychologen auch als Auslöschungsgedächtnis (“extinction memory”).
Bei der Bewältigung solcher Erinnerungen spielt der vmPFC eine entscheidende Rolle, wiesen nun die Wissenschaftler in ihren Tests nach. Die Forscher zeigten den Probanden Bilder, auf denen entweder ein rotes oder ein blaues Licht dargestellt war. Nach dem blauen Licht verpassten die Forscher den Freiwilligen einen ungefährlichen elektrischen Stromstoß, so dass sie dieses Bild mit einer unangenehmen Erinnerung verbanden. Am nächsten Tag wiederholten die Wissenschaftler das Experiment, verzichteten jedoch auf den Stromstoß und bestimmten stattdessen das Stressniveau der Probanden anhand der Leitfähigkeit der Haut.
Dabei hatten diejenigen Probanden das unangenehme Erlebnis am besten verdrängt, deren vmPFC sich in einer Magnetresonanzaufnahme als besonders groß erwiesen hatte. Der vmPFC unterdrückt dabei die Aktivität der für die Entstehung von Angst entscheidenden Gehirnregion Amygdala, vermuten die Forscher. Mit den Ergebnissen könnte einmal die Behandlung von Patienten mit so genannten posttraumatischen Belastungsstörungen verbessert werden, die sich nicht mehr von ihren traumatischen Erinnerungen lösen können, hoffen die Wissenschaftler.
Mohammed Milad (Massachusetts General Hospital, Boston) et al.: PNAS, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1073/pnas.0502441102
ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald





