Blauen Eiern auf der Spur
Für ihre Studie sammelten die Wissenschaftler genetische Proben von Kuckucken und blauen Eiern aus Museumssammlungen. Teilweise war das Material über 100 Jahre alt. Sie untersuchten in diesen Proben sowohl Merkmale der genomischen DNA als auch die des Erbgutes in den Mitochondrien. Neben dem Zellkern tragen auch diese Energiekraftwerke der Zellen ihr eigenes Erbgut. Es lässt gezielt Rückschlüsse auf die mütterliche Vererbungslinie zu, denn die mitochondriale Erbsubstanz wird ausschließlich von den Müttern an die Nachkommen weitergegeben und verändert sich nur sehr langsam.
Die Forscher konnten anhand der Mitochondrien-DNA zeigen, dass die Eifarbe Blau an eine bestimmte weibliche Vererbungslinie geknüpft ist. Für die männlichen Kuckucke gilt das nicht: “Der Vater hat keinen Einfluss auf die Farbe der Eier seiner Tochter”, sagt Fossoy.
Es liegt wohl an den Geschlechtschromosomen
Ihnen zufolge entsteht der Effekt wahrscheinlich dadurch, dass die Erbinformation für das Aussehen der Eier auf dem weiblichen Geschlechtschromosom liegt. Vögel besitzen weibliche W- und männliche Z-Chromosomen, die X und Y bei Säugetieren entsprechen. Anders aber als bei den Säugetieren haben männliche Vögel ZZ Chromosomen-Paare, während Weibchen eine ZW Kombination aufweisen. Das bedeutet: Nur Frau Kuckuck besitzt ein W-Chromosom. Wenn also die Erbinformation für blaue Eier auf dem W-Chromosom liegt, wird sie unverändert von Mutter zu Tochter vererbt, erklären die Forscher.
Ihnen zufolge ist dieses System für den Kuckuck ausgesprochen sinnvoll: Es ermöglicht, dass sich männliche Kuckucke mit Weibchen unterschiedlicher Eierfarben-Prägung paaren können, ohne dadurch möglicherweise das Aussehen der Eier durcheinander zu bringen. Wenn auch sie hingegen Erbinformationen für die Ei-Optik vererben würden, könnten Mischfarben beziehungsweise Muster entstehen, die Wirtsvögel sofort als fremd erkennen würden. Das ungewöhnliche Vererbungsprinzip ist demnach eine weitere Grundlage der raffinierten Betrugsstrategie des Kuckucks.
Quelle: Norwegian University of Science and Technology, Nature Communications 6:10272 doi: 10.1038/ncomms10272.





