Mittlerweile wird es wieder kühler, aber wenn wir nur ein paar Monate zurückdenken, erinnern wir uns: Dieser Sommer war richtig heiß. Die Höchsttemperaturen während der Hitzewellen in Europa haben nicht nur in Spanien und Frankreich, sondern auch in Deutschland und anderen mitteleuropäischen Ländern flächendeckend die 40-Grad-Marke überschritten. Angesichts des fortschreitenden Klimawandels stellt sich die Frage, welchen Einfluss der Klimawandel auf solche extreme Wetterereignisse hat und welche Entwicklungen uns künftig erwarten.
Dieser Frage ist der Forschungsverbund ClimXtreme - geleitet von Uwe Ulbrich vom Institut für Meteorologie der Freien Universität - sechs Jahre lang nachgegangen. Forschende aus 17 deutschen Forschungseinrichtungen untersuchten in 25 Projekten, wie der Klimawandel extreme Wetterereignisse beeinflusst, welche physikalischen Prozesse dahinterstecken und welche Schäden dadurch entstehen können. Dafür werteten die Ulbrich und seine Kollegen unter anderem Wetter- und Klimadaten mithilfe von Klimamodellen und statistischen Verfahren aus und entwickelten neue Methoden, um die Risiken von Extremwetterereignissen in Zukunft besser einzuschätzen.
Hitze- und Dürrextreme nehmen am stärksten zu
Die Ergebnisse zeigen, dass Hitze- und Dürreextreme am stärksten durch den menschengemachten Klimawandel zunehmen und dass sich ihre physikalischen Treiber verändern. „In fast allen europäischen Ländern wurden Allzeitrekorde gebrochen. Mit den im Forschungsverbund ClimXtreme entwickelten Methoden der Attribution – also der Ursachenforschung - von extremen Wetterereignissen kann klar gezeigt werden, dass die im letzten Jahrzehnt verstärkt beobachteten Hitzewellen in Europa ohne eine globale Klimaerwärmung nicht möglich gewesen wären, und dass heutige extreme Hitzeereignisse in den kommenden Jahrzehnten das neue ‚Normal‘ im Sommer werden“, sagt Ulbrich. Demnach wäre die extreme Hitze vom 18. bis 28. Juni 2026 in Deutschland ohne den menschengemachten Klimawandel nahezu unmöglich gewesen.
Neben der globalen Erwärmung beeinflussen aber auch natürliche Klimaschwankungen über mehrere Jahrzehnte die Intensität der Hitzewellen. Physikalische Treiber sind neben den steigenden Temperaturen bestimmte Wetterlagen und Blockaden der atlantischen Luftströmung, die normalerweise Hochs und Tiefs über Europa hinwegtreibt und in Bewegung hält. Diese Faktoren spielten auch bei den europäischen Hitzewellen im Juli und August 2025 eine wichtige Rolle. Außerdem kann die Verringerung von Schwebteilchen in der Atmosphäre die Hitze verstärken. Dennoch sehen die Forschenden einen klaren Trend: „Insgesamt werden Ereignisse, die bislang als äußerst selten oder gar als unmöglich galten, mit wachsender Häufigkeit auftreten und können künftig noch höhere Temperaturrekorde sowie längere Belastungsphasen verursachen“, sagt Ulbrich.
Trockenheit verschiebt sich, Starkregen wird häufiger
Für extreme Trockenheit, wie im Frühjahr 2025 in Norddeutschland, konnten die Forschenden hingegen keinen eindeutigen Zusammenhang mit dem Klimawandel feststellen. Allerdings deuten die Ergebnisse darauf hin, dass sich die niederschlagsarme Zeit im Frühjahr von Februar und März zunehmend in den April verschiebt. Die Analysen zeigen zudem, dass Dürren nicht nur durch Regenmangel entstehen, sondern auch steigende Temperaturen dazu führen, dass mehr Wasser aus den Böden verdunstet. Das erhöht besonders im Südwesten Europas die Gefahr von Waldbränden - wie auch in diesem Sommer in Spanien oder Frankreich. Auch die Landwirtschaft leidet unter Dürren, wobei die Folgen je nach Pflanzenart unterschiedlich ausfallen. Um die Auswirkungen auf die Ernten besser abschätzen zu können, entwickelten die Forschenden ein KI-gestütztes Modell für die Vorhersage.
Auch Starkregen wird durch den Klimawandel in Deutschland und Europa tendenziell häufiger und intensiver. So wurden die schweren Überschwemmungen 2021 in Westdeutschland durch den Klimawandel verstärkt. Den Forschenden zufolge erhöhte der Klimawandel die maximale Regenmenge an einem Tag in der betroffenen Region um 3 bis 19 Prozent. Für Deutschland ermittelten die Forschenden eine Zunahme der Starkregenintensität um etwa 6 bis 8,5 Prozent pro Grad globaler Erwärmung. Besonders stark ist dieser Trend bei seltenen, kurzen Starkregenereignissen, weil mit den steigenden Temperaturen in der Regel auch der Feuchtigkeitsgehalt der Atmosphäre zunimmt. Wie stark einzelne Regenereignisse ausfallen, hängt dabei davon ab, wie viel Feuchtigkeit sich auch in höheren Luftschichten befindet und welche Wetterlage gerade herrscht.
Keine einheitlichen Trends für Hagel und Sturm
Bei Hagel ist die Untersuchung schwierig, weil dieser meist nur kleinräumig auftritt und die verfügbaren Radardaten lediglich 20 Jahre zurückreichen. Die Untersuchungen ergaben, dass in diesem Zeitraum die Hagelaktivität in Süddeutschland zugenommen hat, während sie in weiten Teilen des übrigen Landes zurückging. Klimamodelle deuten darauf hin, dass Hagel im Süden Deutschlands bei steigenden Temperaturen künftig sogar noch häufiger auftreten könnte. Für die übrigen Regionen sind die Vorhersagen dagegen weniger eindeutig.
Bei Stürmen konnten Ulbrich und seine Kollegen ebenfalls keinen einheitlichen Trend feststellen. Die Klimamodelle zeigen zwar weniger Tiefdruckgebiete über Westeuropa und der Deutschen Bucht, dafür aber mehr besonders intensive Zyklonen. Aber auch wenn Stürme in wärmeren Regionen durch verstärkte Wolken- und Niederschlagsbildung mehr Energie erhalten, ändern sich den Auswertungen zufolge die extremen Windgeschwindigkeiten nicht.

Die öffentliche Wissensplattform von ClimXtreme fasst die Ergebnisse des Projekts zusammen und soll Ländern und Kommunen bei der Anpassung helfen. — © ClimXtreme
„Mit dem ClimXtreme-Programm konnten wir zu einer genaueren Einschätzung der heutigen und zukünftigen Risiken durch die verschiedenen Arten meteorologischer Extremereignisse beitragen“, sagt Ulbrich. Die auf einer Online-Plattform veröffentlichten Ergebnisse des Projekts sollen nun Städten, Gemeinden und Unternehmen helfen, sich besser auf die Folgen des Klimawandels vorzubereiten. Besonders für den Hochwasserschutz, die Landwirtschaft und die Infrastrukturplanung sind solche Erkenntnisse wichtig. Sie sollen Verantwortlichen aus Politik, Verwaltung und Wirtschaft helfen, Risiken besser einzuschätzen und geeignete Anpassungsmaßnahmen zu entwickeln.
Quelle: Freie Universität Berlin. Forschungsprojekt: ClimXtreme





