Der rapide Anstieg der globalen Durchschnittstemperaturen durch menschliche Treibhausgasemissionen sorgt dafür, dass die Eisschilde der polaren Regionen abschmelzen und der Meeresspiegel ansteigt. Die Auswirkungen in Küstengebieten zeigen sich bereits heute. Mit dem Pariser Klimaabkommen von 2015 haben 196 Länder vereinbart, den globalen Temperaturanstieg auf maximal zwei Grad Celsius gegenüber dem vorindustriellen Niveau zu begrenzen und anzustreben, nicht über 1,5 Grad Celsius zu kommen. Damit sollen unter anderem schwerwiegende Folgen durch das Abschmelzen der Eisschilde vermieden oder verringert werden.
Lehren aus der Vergangenheit
Als besonders gefährdet gelten die Gletscher und Eisschilde der Westantarktis und Grönlands. Den ostantarktischen Eisschild, der im kältesten und höchstgelegensten Teil der Antarktis liegt, hielten Forscher dagegen bislang für weniger anfällig gegenüber Klimaveränderungen. Allerdings war wenig über seine Eigenschaften und seine erdgeschichtliche Vergangenheit bekannt. Ein Team um Chris Stokes von der Durham University in Großbritannien hat sich nun näher mit der Vergangenheit und möglichen Zukunft dieses größten Eisschilds der Erde beschäftigt.
Dazu werteten die Forscher unter anderem aus, wie der ostantarktische Eisschild auf vergangene Warmzeiten reagierte, als die Kohlendioxidkonzentration und die Temperaturen nur wenig höher waren als heute. Das letzte Mal, dass die atmosphärischen CO2-Werte den heutigen Wert von 417 parts per million (ppm) überstiegen, war im mittleren Pliozän vor etwa drei Millionen Jahren. Obwohl die globalen Mitteltemperaturen damals nur etwa zwei bis vier Grad Celsius höher waren als heute, zeigen Spuren in Meeresbodensedimenten, dass Teile des Eisschilds damals zusammenbrachen, was mit einem Anstieg des Meeresspiegels um zehn bis 25 Meter einherging.
Empfindlicher als gedacht
„Eine wichtige Lehre aus der Vergangenheit ist, dass der ostantarktische Eisschild selbst auf relativ bescheidene Erwärmungsszenarien sehr empfindlich reagiert. Er ist nicht so stabil und geschützt, wie wir einst dachten“, sagt Co-Autorin Nerilie Abram von der Australian National University in Canberra. Auf Basis dieses Wissens erstellten die Forscher mit Hilfe bereits existierender Klimamodelle Prognosen, wie sich der ostantarktische Eisschild unter verschiedenen Szenarien für Treibhausgasemissionen und Temperaturen entwickeln könnte.





