In ?Zwei glorreiche Halunken? spielt Clint Eastwood einen raffinierten Kopfgeldjäger, der immer wieder ein und denselben Verbrecher ausliefert und ihn anschließend heimlich wieder befreit ? um mehrfach von der ausgesetzten Belohnung zu profitieren. Einem internationalen Forscherteam dienten Szenen aus dem Italo-Western nun dazu, die Verarbeitung gleicher Informationen in unterschiedlichen Hirnregionen von Menschen und Affen nachzuweisen.
Ergebnisse bisheriger Studien legen nahe, dass das menschliche Gehirn im weitesten Sinne eine aufgeblasene Version eines Affengehirns ist. Entsprechend nahmen Wissenschaftler an, dass bestimmte Reize bei beiden Spezies in den gleichen Hirnregionen verarbeitet werden.
Doch das scheint nicht auf alle Funktionen zuzutreffen, konnte nun ein internationales Forscherteam um Dante Mantini von der Universität Leuven in Belgien mit einer neuen Methode belegen: Die Wissenschaftler zeigten 24 Menschen und vier Rhesus-Affen ( Macaca mulatta) je einen 30-minütigen Ausschnitt aus ?Zwei glorreiche Halunken?. Anschließend verglichen die Neurowissenschaftler die Gehirnaktivitäten von Mensch und Affe. Dabei entdeckten sie zwar deutliche Analogien, was die Gehirnaktivitäten in ihrer Gesamtheit betraf. Allerdings liefen sie zum Teil in völlig unterschiedlichen Hirnregionen ab.
Die Schlussfolgerung der Forscher: Das menschliche Gehirn ist im Laufe der Evolution nicht nur einfach gewachsen, sondern die Funktionen bestimmter Gehirnareale haben sich auch an veränderte neuronale Verbindungen angepasst. Mit der Entwicklung einer komplexeren Denkstruktur haben sich also auch die Orte der Verarbeitung im Gehirn verändert, glauben die Wissenschaftler.
Diese Interpretation setze allerdings voraus, dass Signale ? wie beispielsweise Clint Eastwoods Mimik ? bei Mensch und Affe generell die gleichen Reaktionen auslösen, geben Tor Wager und Tal Yarkoni von der University of Colorado-Boulder zu bedenken. In ihrem Kommentar zu der Studie weisen die beiden Neurologen darauf hin, dass die Rhesus-Affen beispielsweise nicht in der Lage seien, die Dialoge in den Kontext des Films einzuordnen, so dass sie vermutlich mehr auf die allgemeinen Bewegungen der Schauspieler als auf ihre Sprache und Mimik achteten.
Trotzdem ermögliche die neue Methode Rückschlüsse darauf, in welchen Hirnregionen einzelne Spezies bestimmte Informationen verarbeiten. Langfristig könnte so die spezielle Entwicklung des menschlichen Gehirns nachvollzogen werden. Allerdings: ?Neben neuen Möglichkeiten und Herausforderungen wird diese Technik ? wie jede neue Methode ? auch neue Probleme mit sich bringen?, resümieren Wager und Yarkoni. Das Ergebnis der Studie wirft in jedem Fall die Frage auf, inwieweit generell Analogien zwischen unterschiedlichen Spezies unterstellt werden können.
Dante Mantini (K.U. Leuven Medical School, Leuven) et al.: Nature Methods, doi: 10.1038/NMETH.1868 Tor Wager und Tal Yarkoni (University of Colorado-Boulder, Boulder): Nature Methods, doi: 10.1038/NMETH.1869 © wissenschaft.de ? Marion Martin





