Um Schwarmgenossinnen Informationen über den genauen Standort und die Qualität einer Nahrungsquelle mitzuteilen, führen Honigbienen komplexe Signalbewegungen aus. Beim sogenannten Schwänzeltanz krabbeln sie mit hoher Geschwindigkeit in achtförmigen Schleifen im Bienenstock und wackeln dabei mit dem Hinterleib. Die Länge und der Winkel der Schleifen kodieren die Flugentfernung und -richtung zum Ziel. Dabei zeigen verschiedene Bienenarten und sogar verschiedene Völker der gleichen Art in verschiedenen Regionen leicht unterschiedliche Muster, weisen also offenbar in der Verständigung Dialekte auf.
Jungbienen ohne Vorbilder
Unklar war bislang, ob der Schwänzeltanz ein vollständig angeborenes Verhalten ist, oder ob dabei, ähnlich wie bei anderen komplexen Kommunikationsformen, auch soziales Lernen eine Rolle spielt. Wäre das Verhalten vollständig angeboren, dürfte es keinen Unterschied machen, ob eine junge Honigbiene vor ihrem ersten Schwänzeltanz andere Bienen beim Tanzen beobachten konnte. Um das zu testen, untersuchte ein Forschungsteam um Shihao Dong von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Yunnan Bienenvölker, die ausschließlich aus neu geschlüpften Tieren bestanden.
„Normalerweise haben junge Sammlerinnen die Gelegenheit, von älteren Individuen zu lernen“, erklären Dong und sein Team. „Im Alter von acht Tagen beginnen sie, erfahrenen Schwänzeltänzerinnen zu folgen, und mit zwölf Tagen tanzen sie erstmals selbst.“ In den für das Experiment geschaffenen Bienenvölkern hatten die Jungbienen dagegen keine Vorbilder, denen sie folgen konnten. Dennoch begannen auch sie zu tanzen – in Einklang mit der Erkenntnis, dass die grundlegende Veranlagung für den Schwänzeltanz angeboren ist.
Lebenslange Fehler
Doch während Jungbienen aus Kontrollvölkern, die sich an älteren Tieren orientieren konnten, von Anfang an die richtigen Bewegungen ausführten, hatten die vorbildlosen Jungbienen damit Probleme: „Bienen, die nicht die Möglichkeit hatten, Tänzerinnen zu folgen, bevor sie zum ersten Mal selbst tanzten, produzierten deutlich mehr ungeordnete Tänze mit größeren Winkeldivergenzen und kodierten die Entfernung falsch“, berichtet das Forschungsteam.
Würden sich diese Fehler im Laufe des Bienenlebens ausgleichen, wenn die Individuen mehr Erfahrungen sammelten? Um das herauszufinden, beobachteten Dong und seine Kollegen die Bienen erneut 20 Tage später, gegen Ende ihrer rund sechswöchigen Lebensspanne. „Wenn dieselben Bienen älter waren und Erfahrungen mit dem Tanzen und dem Verfolgen von Tänzerinnen gesammelt hatten, verringerten sie die Fehler bei den Richtungsangaben erheblich und produzierten geordnetere Tänze. Allerdings waren sie nie in der Lage, eine normale Entfernungscodierung vorzunehmen“, berichtet Dong. Ihr Leben lang gaben diese Bienen zu große Entfernungen zur Futterquelle an.





