Erstmals ist es Forschern gelungen, eine Mutation zu finden, die es während der frühen Evolution der Tiere erlaubte, Körperformen grundlegend umzugestalten. Mit dieser im Fachblatt Nature publizierten Arbeit wollen William McGinnis und Kollegen von der University of California eines der Hauptargumente der Kreationisten gegen die Evolutionstheorie entkräften.
Die sechsbeinigen Insekten entwickelten sich vor etwa 400 Millionen Jahren aus garnelenähnlichen Wasserbewohnern, die an jedem Körpersegment zwei Beine hatten. McGinnis und seine Kollegen konnten jetzt zeigen, dass eine Mutation in einem so genannten Hox-Gen, das andere Gene während der embryonalen Entwicklung an- und ausschaltet, auch die Zahl der Beine verringert. “Das ist ein großer Schritt für die Evolutionsbiologie”, freute sich McGinnis.
“Die Frage war immer: Wie kann die Evolution große Veränderungen am Körperbau vornehmen und dabei noch ein lebendiges Wesen erzeugen? Die Kreationisten haben immer behauptet, dass dabei entstehende Tiere weder lebens- noch fortpflanzungsfähig seien. Und bis jetzt konnte noch niemand zeigen, wie man das auf genetischer Ebene schaffen kann.”
In Experimenten mit Fruchtfliegen und dem Krebs Artemia zeigten die Forscher, wie eine Veränderung im Hox-Gen Ubx aus vielbeinigen Krustentieren Insekten mit sechs Beinen am vorderen Körpersegment und ohne Beine am Hinterleib machte. Die Kreationisten, die diese Form der “Makroevolution” für unmöglich halten, hatten durchgesetzt, dass Biologiebücher in einigen US-Bundesstaaten dementsprechende Textstellen enthalten müssen.
McGinnis und Kollegen hoffen derweil, dass ihre Erkenntnis über die Funktionsweise von Hox-Genen auch bei der Erforschung menschlicher Erbkrankheiten und Anomalien helfen kann, etwa bei der Polydaktylie, bei der Menschen mit zwölf Fingern geboren werden.
Ute Kehse





